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Woche 3 – Revolutionstag – Teil 3/4


Tag 22, 11.2, Mittwoch

Der 11. Februar ist der Jahrestag der Islamischen Revolution 1979. Im 7 Uhr aufgestanden und mit Anahit und Mirela, einer anderen deutschen Studentin nach Enghelab gefahren, um der Feier bzw. dem Umzug beizuwohnen. Die Straßen in Velenjak und Tajrish waren wie leer gefegt. Auch die Metro war bis zum Umstieg vergleichsweise leer. Doch als wir von der roten (1) in die gelbe Linie (4) umstiegen, bin ich nicht in die erste Metro hineingekommen. Es war voller als zum Berufsverkehr in Moskau. Wer in den 2 Stationen vor Enghelab aussteigen wollte hatte schlechte Karten und sich das falsche Datum bzw. die falsche Uhrzeit ausgesucht. Es war ziemlich unmöglich. In Enghelab warteten wir dann noch ziemlich lange auf Jenja und ein Freund der Deutschen kam noch. Während wir am Ausgang warteten, wurden schon die ersten Bilder mit uns gemacht. Als Jenja und Anahit dann kamen und wir uns dem Marsch anschlossen, bekam der Holländer Schiss und ging wieder nach Hause.
Letztes Jahr wurden wohl drei Studenten vom Sprachinstitut festgenommen und fast alle sagten, wir sollten vorsichtig sein. Also verzichtete ich auf meine gelbe Jacke. Aber was die Veranstaltung dann nun?
Ich würde das ganze als Demonstration mit Volksfestcharakter beschreiben. Der zentrale Festplatz war anscheinend der Platz um den Azaditurm. Dort war ich erst zum Schluss, als alles nach drei Stunden vorbei war. Dort sollen aber die Studenten letztes Jahr gewesen sein. Von der östlichen Straße (Azadi Allee) liefen die Menschen zum Platz. Also wie, als wenn von Unter den Linden die Menschen zum Brandenburger Tor bzw. dem Pariser Platz marschieren.
Am Straßenrand waren Stände aufgestellt. Dort gab es Informationsmaterial, kostenloses Essen, Trinken, Chöre sangen, Musik wurde gespielt oder Mullahs/Geistliche hielten Reden. Es wurden verschiedene Plakate vergeben. Neben den Todesproklamationen auch Sprüche wie „Wir werden ewig widerstehen“, „Wir bleiben standhaft bis zum Ende“, „Freiheit, Unabhängigkeit – Islamische Republik“, „Tod oder Khomeini – mit meinem Blut geschrieben“, „Ich bin die Revolution“, „Ich liebe Mohammad. Ich hasse Terrorismus, ich verurteile die Verunglimpfung der heiligen Propheten“ sowie Bilder von Khamenei und Khomeini und natürlich wurde oft die iranische Flagge geschwenkt. Da es regnerisch war, war die Funktion der Plakate natürlich vielmals der eines Regenschutzes. Zwischendurch wurde dann von der Masse „Marg bar Amerika/Israel“ skandiert, öfters aber „Allah u akbar“ oder etwas in Verbindung mit Khomeini gerufen; doch selbst diese eher selten. Die Menschen waren nicht wirklich konservativer als sonst gekleidet, selbst bei vielen Frauen waren noch die Haare zu erkennen. Es liefen viele Familien mit – generell es war ein bizarres Bild. Vor einigen Ständen, die Essen oder Getränke verteilten kam es nicht selten zu Tumulten. Ganz so, als ob das ach so tolle Gespann Khomeini/Khamenei die Bevölkerung nicht ernähren können – wie Kim Jong Un, selbst dazu kommt vielleicht noch etwas…
Ein paar Male kamen Fotografen und vor allem viele Jugendliche, um uns zu fotografieren.
Und was soll man davon halten? Ich denke, diese Veranstaltung hat mehrere Aspekte. Zum einen soll mit dem öffentlichen Aufrechterhalten des Feindbildes USA/Israel(/der Westen) die Macht der Geistlichen gesichert werden. Sie rufen zum Widerstand, zum Widerstehen auf, appellieren an das Durchhaltevermögen des Volkes, nicht den Versuchungen nachzugeben. Sie werden (und nur sie sind dazu in der Lage) die Bevölkerung sicher und zu deren Zufriedenheit durch die schweren Zeiten zu führen.
Den Versuchungen wurde aber nachgegeben: Apple-Produkte, Microsoft, Google, Nestle, Danone, Coca-Cola und Pepsi, BMW, Mercedes und Porsche haben längst die Herzen der meisten Iraner erobert. Für diese, wenn sie denn teilnehmen, ist die Revolutionsveranstaltung einfach nur eine Möglichkeit, mal ein wenig „die Sau“ rauszulassen. Die Sprüche und Plakate sind dann Nebensache. Hier kommt meiner Meinung nach Aspekt zwei ins Spiel: Es ist wie die Fanmeile in Berlin. Da wird der Gegner teilweise auch auf das übelste beschimpft; und das sogar ohne politischen Hintergrund:

„[Land] ist scheiße, [Land] ist Dreck; eine kleine Bombe und [Land] ist weg.“ und es gibt sicherlich noch mehr Sprüche diesen Niveaus

Diese Schmähgesänge singt auch die Mehrheit mit, aber keiner würde den Inhalt je wahr werden lassen. Es geht um das Zusammenhaltsgefühl, Sticheleien, wenn man überlegen ist, um die gigantische Party, an der natürlich auch der Gegner gerne eingebunden wird. Abgesehen von ein paar Idioten, die aus der Reihe tanzen, wird friedlich zusammen gefeiert (selbstverständlich, solange das eigene Team gewinnt, sonst steigt die Anzahl der Idioten).
Nur vereinzelt wurden wir komisch angeschaut, ansonsten entweder mit Gleichmut behandelt oder freundlich angesprochen. Sehr schön fand ich die Situation, als ein Mann mich fröhlich im Iran Willkommen hieß, die Veranstaltung zeigt jedenfalls nicht den normalen Iran und Kritiker finden genügend Gelegenheit den Staat und sein Volk als extremistisch darzustellen.
Dennoch möchte ich betonen, dass ich es nicht gutheißen kann, wenn der Tod Amerikas oder Israels propagiert wird. Auch wenn es sich laut mehreren Aussagen nicht an die Bevölkerung richtet. Ich bin auch nicht mit dem Großteil der Außenpolitik beider Länder einverstanden. Als Andenken konnte ich so einem Plakat nicht widerstehen.

Zum Schluss mit Taxi zurückgefahren, das es geregnet hat und ich zufällig Anahit getroffen habe. Es hat nur 13000 Rial (32 Cent) gekostet und mein Bild vom teuren Taxifahren vielleicht nachhaltig verändert.


Das wollen die Skeptiker hören (ich weiß nicht, was der Typ erzählt, aber es hört sich bedrohlich und nach religiösem Fanatismus an):

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Woche 3 – Teil 2/4


Tag 17, 6.2, Freitag

Wir haben uns größtenteils vom Wandern erholt und ich habe viel Zeit damit verbracht, den Blog auf Vordermann zu bringen. Nachmittags war ich Zari mit Saba in einem Café im ASP-Gebäude verabredet. Roman hatte dort auch eine Verabredung, sodass wir gemeinsam hin sind. Der Straßen waren allerdings so verstopft, dass ich eine Stunde zu spät angekommen bin.
Auf dem Heimweg habe ich noch nach Karlsruhe telefoniert und bin daher nicht mit dem Bus zum Umsteigehaltestelle gefahren. Als ich dann dort ankam, war es schon 22.30Uhr und kein Bus fuhr mehr (jedenfalls nicht nach Velenjak). Mit dem Taxi wollte ich nicht fahren und bin daher gelaufen. Insgesamt habe ich fast 2 Stunden nach Hause gebraucht. Da ich noch Hausaufgaben machen musste, bin ich erst um 1 Uhr ins Bett.

Tag 18, 7.2, Samstag

Die Wanderung steckt mir immer noch in den Knochen. Roman und ich machten auf dem Weg nach Hause einen Großeinkauf gemacht und ich habe es endlich geschafft, mit dem Digitalisieren der Vokabeln anzufangen. Außerdem habe ich noch Arbeit für Karlsruhe erledigt und war auch wieder bis um 1 Uhr wach.

Tag 19, 8.2, Sonntag

Schule, Basar, Lernen, um 1 Uhr ins Bett

Tag 20, 9.2, Montag

Ich hatte die Lesehausaufgabe nicht gemacht, weil das Digitalisieren der Vokabeln in meinen Augen wichtiger war. Dementsprechend habe ich dann im Unterricht dann rumgestottert und durfte die Hausaufgabe wiederholen.
Beim Geldwechseln habe ich einen eine Million Rial-Schein bekommen.
Nach der Schule bin ich mit mehreren anderen wieder zur Amerikanischen Botschaft. Da ich mit einigen anderen 50 Minuten eher da war, gönnten wir uns noch einen 25cm Sandwich (Falafel + Käse 1,30€).
In der Botschaft bekamen wir dann eine Führung, die freundlicherweise von einem dänischen Halbiraner übersetzt wurde. Das Erdgeschoss der Botschaft war der normale konsularische Teil, das Obergeschoss diente der CIA. Dort fand die Führung statt und der Korridor war mit Bildern vermeintlichen Gräueltaten der USA und ihrer Alliierten während des Irak-Iran-Krieg und der Frage nach der Wahrheit versehen.
Mit als Einleitung erwähnte der Führer, der Film Argo sei Quatsch, das hätte der kanadische Botschafter bestätigt. Nun ist es aber so, dass der kanadische Botschafter nur Kritik an der „marginalisierten Darstellung“ der Kanadier erhob, nicht am Inhalt. Obwohl Kanada 90% des Erfolgs und der CIA 10% zuzuschreiben sei, würde das Kräfteverhältnis umgekehrt dargestellt. Einzig die Frau des Botschafters kritisierte, sie hätte es besser gefunden, den Film „basierend auf wahren Ereignissen“ und nicht als komplett wahr zu deklarieren.
Wir wurden dann durch die Räumlichkeiten geführt, durch abhörsichere Gesprächsräume, Panzertüren-gesicherter Räume zur Kommunikation in die Staaten, Abhörräume und Räume, die zum Fälschen von Pässen und anderen Dokumenten genutzt wurden.

Der Macht des Schah wurde im Februar 1979 gebrochen, da sich die Iraner nicht dem Willen eines von den Imperialisten eingesetzten und zum Ende hin brutal gegen Oppositionelle (den Geistlichen) agierenden Herrschers beugen wollten und als freies Volk keine Diktatur dulden. Dass mit der Etablierung eines Obersten Geistlichen Führers keine Demokratie eingeführt, sondern die Diktatur fortgeführt wurde, bleibt natürlich unerwähnt. Denn die Mitglieder des Parlaments und den Präsidenten können sie nur aus einer vorher vom Wächterrat festgelegten Kandidatenliste wählen. Die Mitglieder, die den Wächterrat stellen, werden je zur Hälfte vom ausgesiebten Parlament und vom Obersten Führer bestimmt. Der Oberste Führer wird vom Expertenrat, der aus Mullahs, die vorher vom Wächterrat bestimmt werden und dann durch das Volk „gewählt“ werden, ernannt. Um es kurz zu machen: Der Oberste Geistliche Führer (im Moment Ayatollah Khamenei), seine Führungsriege und Vasallen bestimmen dann, was das Parlament und der Präsident beschließen darf, überwachen sich selbst, bestimmen über das Militär, das Verfassungsgericht und haben auch noch eine zweite Armee aus Anhängern, die ihre Macht sichern. In der Öffentlichkeit werden die Entscheidungen der Geistlichen aller Art aber selten erwähnt.

Im November 1979 wurde dann die US-Botschaft gestürmt und 444 Tage Geiseln genommen. Schwarze und Frauen wurden jedoch bald freigelassen und nur hochrangige Entscheidungsträger und CIA-Mitarbeiter seien noch, aber unter sehr guten Bedingungen, festgehalten worden. Sie hätten Essen auch anderen Botschaftskantinen bekommen, während die Studenten, die im Auftrag Khomeinis für Ordnung sorgten, nur „normales“ Essen bekamen. Es wurde sogar eine Weihnachtsfeier mit Weihnachtsbäumen veranstaltet.
Nicht unerwähnt blieb der Irak-Iran-Krieg in den frühen 80er Jahren. Die Iraker unter der Führung des von den USA eingesetzten Herrschers Saddam Hussein hätten die Wirren der Revolution nutzen wollen, um ihre Küstenlinie zu verlängern und ölreiche Gebiete zu erobern. Dank der Führung Khomeinis und mit Hilfe Allahs, der sicher auch hinter den Irakern stand…, konnten die Iraner eine Gebietsverlust verhindern und gingen aus dem Krieg zwar mit hohen Verlusten, aber doch im Geiste gestärkt hervor, den Iraker mit ihren westliche Unterstützern die Stirn geboten zu haben. So kamen chemische Waffen aus Deutschland, Minen aus Belgien, Kampfjets aus Frankreich und unterirdische Hangars wurden von Italiern errichtet. Niemand hätte auf der Seite Irans in dem 8 Jahre lange dauernden Krieges gestanden. Ebenbürtige Rache für Kriegsverbrechen an der iranischen Zivilbevölkerung wurden von Khomeini ausdrücklich verboten. Stattdessen soll er Kinder und junge Männer mit Aussicht auf das Paradies zum Minenräumen geschickt haben (Bilder dieser Opfer könnten es dann auch sein, die im Korridor hängen).
Nach all den Feindseligkeiten und den Sanktionen, neuerdings gegen eine friedliche Nutzung der Atomenergie Irans, obwohl so viele andere Staaten ohne Probleme Atomwaffen haben (selbst Nordkorea), seien die Rufe nach dem „Tod Amerikas und Israels“ nicht als Vernichtung der Völker sondern vielmehr als übertriebener Wunsch nach neuer Politik und neuen Regierungen verbunden. Der Neujahrsgruß von Obama im März 2014 (und sicherlich auch 2015) an das iranische Volk sei durch die gleichzeitige Intensivierung der Sanktionen und militärischen Drohungen, sei nichts wert.

Tag 21, 10.2, Dienstag

Da am Mittwoch die Islamische Revolution gefeiert wird, ist das der letzte Schultag diese Woche. Ich habe nix gemacht.
Am Abend bekam ich allerdings einen Vorgeschmack auf den kommenden Tag: Die iranischen Studenten gegenüber unseres Wohnheims skandierten gegen 21Uhr im Chor: „Allah u akbar“, „Marg bar amerika“ und „Marg bar Israel“. (Sie übersetzen es mit „Nieder mit Amerika/Israel“, „marg“ heißt aber lt. Wörterbuch „Tod“). Im Hintergrund wurden überall in der Stadt Feuerwerke gezündet. Eine ziemlich absurdes Bild, was mein Bestreben, am folgenden Tag an den Festivitäten teilzunehmen aber natürlich nicht schmälerte. Obwohl letztes Jahr wohl drei Studenten festgenommen wurden.

#Am Rande: Die normalen Busse des öffentlichen Nahverkehrs sind geteilt. Ein Teil ist für die Frauen, einer für Männer. Bei kleineren Busse, z.B. der, mit dem ich jeden morgen zur Schule fahre, die in etwa umgebauten Mercedes Sprintern entsprechen, gibt es diese Trennung nicht. In der Metro gibt es vorne und hinten Abteile nur für Frauen. Die anderen Teile sind gemischt, d.h. Frauen können überall einsteigen. Doch ist meiner Meinung nach vorteilhaft für die Frauen, da die Metro zum Berufsverkehr in den mittleren Wagen sehr voll wird. Die Abteile der Frauen sind jedoch so gut wie nie überfüllt.
Bleiben wir noch bei der Metro. Die Treppen werden, wie ja schon gezeigt, kaum benutzt und man wird komisch angeschaut, wenn man es doch tut. Es bilden sich sogar Schlangen vor den Rolltreppen. Lustig wird es nur, wenn die Rolltreppen dann ausfallen. Die Teheranis sind scheinbar so unfit, dass selbst wenn nur eine Höhendifferenz von fünft Metern überwunden wird, sie kechend oben ankommen.
Diese Woche habe ich auch das erste Schimpfwort gelernt: „an“. Es bedeutet Scheiße und steht auch als Abkürzung für AhmadiNedschad.

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Woche 2 – Teil 2/2


Tag 13, 2.2, Montag

Mit Anahit, Zhihui und noch zwei anderen Russen (Jenja und Alexander) bin ich zur ehemaligen Amerikanischen Botschaft gefahren, um Fotos zu machen und das Museum anzuschauen. Es ist nur einmal im Jahr, nämlich in den zehn Tagen vor dem Tag der Islamischen Revolution am 11. Februar, geöffnet. Die Fotos konnten wir machen. Den Eintritt von 7 Dollar bzw. einer Million Rial, was paradoxerweise dann 29 Dollar sind, wollten wir aber nicht zahlen (wir hatten keine Dollar bei uns, denn 7$ sind schon OK).
Also sind wir essen gegangen und ein bisschen durch die Stadt getingelt. Erst zu einem zoroastrischen Tempel, der aber schon geschlossen hatte und anschließend zu armenischer Kirche. In diese konnten wir aber auch nicht hinein, weil gerade Renovierungsarbeiten durchgeführt wurden. Also sind wir etwas ziellos durch die Stadt gelaufen, vorbei an der russischen Botschaft, die auf einem gigantischen Gelände ist. Es ist bestimmt doppelt so groß wie das in Berlin.
Wieder mit einem Ziel vor Augen sind wir zum Armenischen Klub, in dem auch Alkohol getrunken werden kann. Dann an einer Kunstgalerie vorbei, wo auch eine wohl bekannte iranische Schauspielerin drinnen war. Kurz bevor wir mit der Metro nach Hause fuhren, sind wir noch an einem Laden vorbei gegangen, in dem sich Zhihui einen Umhang nach beluchischer Art (Beluchistan ist das Grenzgebiet zwischen Iran, Afghanistan und Pakistan, sprich eine sehr sichere Gegend) kaufte.

Tag 14, 3.2, Dienstag

Der Dienstag muss ein unspektakulärer Tag gewesen sein, d.h. unspektakulärer als sonst. Ich weiß gar mehr, was ich gemacht habe. Roman und ich haben einen neuen Weg zum Wohnheim ausprobiert, der über eine langezogene Parkanlage führt.

Tag 15, 4.2, Mittwoch

Am Morgen war die Smogglocke, unter der Teheran fast tagtäglich eingezwängt ist, sehr gut zu sehen.
Nach dem Unterricht bin ich zu einem Flughafen im Südosten der Stadt gefahren, weil ich dachte, er wäre nicht mehr in Betrieb. Allerdings musste ich feststellen, dass dort die iranischen Luftwaffe residiert – etwaiges Herumstromern hatte sich daher zwangsläufig erledigt.
Am Abend hatte ich mich zu einem Interview bereit erklärt. Mir lagen jedoch keinerlei Informationen darüber vor, es sollte ein Filmprojekt von iranischen Studenten sein. Es stellte sich dann aber schnell heraus, dass die Eingangsfragen zu uns nur eine Maskerade waren und es vielmehr um den Islam und Gewalt usw. ging. So waren die Fragen zum Beispiel, wie sich unser Bild des Islam vor und während unseres Aufenthalts im Iran gewandelt hätte. Es wurde auch eine deutsche Studentin befragt, aber wir waren die einzigen.
Zum Schluss sollten wir einen Brief des Obersten Geistlichen Führers der Islamischen Republik Iran (Ayatollah Khamenei) vortragen. Daher bin ich mir ziemlich sicher, dass das Material als Propaganda genutzt wird. Doch ich kann nicht leugnen, dass ich in einigen Punkten dem Inhalt zustimme.
Immerhin haben wir eine Rose als Dankeschön bekommen. Dafür halte ich doch gerne als Propagandaverbreiter hin. Mal schauen, was letzten Endes dabei herauskommt. Ich werde das Resultat dann, je nach Peinlichkeitsgrad hochladen.