Letzte Wochen 33-34 – Belutschestan & Tschüss, Teheran!

Wochen 33-34, 21.11 – 7.12

Meine letzten beiden Wochen im Iran standen an. In der Prüfungswoche am Mittwoch, direkt im Anschluss nach der Prüfung, fuhr ich zum Flughafen, um nach Zahedan, in Sistan und Belutschestan, fliegen. Ich wollte zwischen neun und zehn Tage in Belutschestan herumreisen und am Ende noch eine Bekannte auf Qeschm besuchen (Route).
Am Mittwoch (25.11) flog ich dann mit nur 30 Minuten Verspätung vom City-Airport Teheran Mehrabad in die Provinzhauptstadt der „gefährlichen“ Grenzregion Sistan und Belutschestan. Das, was die meisten Europäer vom Iran denken, denken die meisten Iraner von Sistan-Belutschestan. Die Fluggesellschaft IranAir, die als unsicher gilt und von denen im Sommer ein Flugzeug über Teheran abstürzte, brachte mich jedoch sicher ans Ziel.
Gleich zu den Bildern

„In der Provinz Sistan-Belutschistan (Südosten, Grenze zu Pakistan/Afghanistan) kommt es regelmäßig zu Konflikten zwischen iranischen Sicherheitskräften und bewaffneten Gruppierungen. Die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt und es gibt vermehrte Sicherheits- und Personenkontrollen. Die iranische Regierung hat die Provinz im November 2007 für ausländische Staatsangehörige zur ’no-go-area‘ erklärt. Wiederholt wurden Ausländer in der Region festgehalten und längeren Verhören unterzogen. Eine Weiterreise war in manchen Fällen nur noch mit iranischer Polizeieskorte möglich. Dies geschieht vor dem Hintergrund Hintergrund von seit Jahren häufig auftretenden Fällen bewaffneter Angriffe auf iranische Sicherheitskräfte in der Region.
Von Reisen in den Osten der Provinz Kerman und Sistan-Belutschestan sowie in die Grenzgebiete Irans mit Pakistan und Afghanistan wird dringend abgeraten. In diesen Gebieten besteht ein erhebliches Entführungs- und Anschlagsrisiko. Dies betrifft insbesondere das Gebiet im Dreieck zwischen den Städten Zabol, Bam und Chabahar.“ [Auswärtiges Amt; Iran: Reise- und Sicherheitshinweise; Terrorismus/Reisen über Land]

Wie in anderen Fällen auch, kann ich der Beschreibung des Auswärtigen Amtes nicht zustimmen – hauptsache Panikmache betreiben. Dazu mehr im weiteren Verlauf. .
Als ich jedenfalls in Zahedan am späten Nachmittag ankam, traf ich mich mit A. und wir gingen auf dem Basar, da ich mir die traditionelle Kleidung der Belutschen zulegen wollte. Der erste Händler bot die Hose mit Oberteil für 0,79Mio Rial (20€) an, der zweite wollte für einen maßgeschneiderten Zweiteiler 470’000 Rial (13€) haben. Den konnte ich mir am nächsten Tag abholen.
Das tat ich dann auch, zog das Gewand aber noch nicht an. Zugegebenermaßen lief ich nicht viel durch die Stadt, aber von Polizisten wurde ich nicht angehalten oder belästigt, obwohl diese mich durchaus sahen. Abends traf ich mich mit Freunden von L., bei dem ich übernachtete. Es war eine Außenanlage, die im Sommer sehr bevölkert ist. Da es aber ziemlich kalt war, verdrückten wir uns lieber mit ein paar Tees in ein beheiztes Zelt.
Am nächsten Morgen fuhr ich mit A. und einem Kumpel von ihr etwas südlich von Zahedan zu einer kleinen Wandertour. Als wir wieder zurück waren, aßen wir Frühstück und ich trampte dann nach Saravan, das 430km weiter südöstlich liegt.
In Sistan und Belutschestan gibt es in den Häusern keinen Gasanschluss, wie in Teheran oder anderen Städten im Iran. Es müssen extra Behälter angeschafft werden. Generell wird diese Provinz von der Regierung in Teheran links liegen gelassen. Das liegt zu einen daran, dass die Bevölkerung Sunniten sind und mehrheitlich in Stämmen organisiert. Daher haben die Offiziellen kaum Einfluss. Ex-Präsident Ahmadinedschad hat das Problem erkannt und nun wenden sich die Regierungsmitarbeiter direkt an die Stammesoberen.
Die Arbeitslosigkeit in Belutschestan ist riesig. Die meisten Leute verdienen ihr täglich Brot scheinbar mit dem Schmuggel von Diesel nach Pakistan. Sie kaufen sich Pick-ups, laden dann ihr Dieselkontingent in Kanister auf die Ladefläche und ab geht’s über die Grenze. Das zweite Stück von Zahedan nach Saravan bin ich in einem Auto mitgefahren, das sehr nach Diesel roch und in dem auf dem Beifahrersitz ein voller 50L Kanister stand. Ich war sehr eingequetscht und war froh, dass meine Beine nicht abgestorben sind.
Ein paar Polizeikontrollpunkte gab es natürlich. Wobei „ein paar“ untertrieben ist. An den Zufahrtsstraßen jeder großen Stadt gab es welche. Aber oft war es denen egal, dass ein Ausländer im Auto saß. Und wenn sie meinen Pass sehen wollte, zeigte ich immer eine Kopie – es gab nie Probleme.
In Saravan machte ich auch Couchsurfing bei coolen Leute, erkundete die Stadt aber alleine. Wobei ich sagen muss, es gab nicht viel zu sehen. Aber in der ganzen 5 Stunden am Vormittag, an denen ich herumlief, wurde ich nur von neugierigen Schulkindern belagert. Als es dunkel war, so gegen 18.30Uhr, lief ich für 30 Minuten auch noch einmal ein wenig umher, aber es war nicht mehr viel los.
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Zu den Bildern Teil 2
Am nächsten Tag, also am Sonntag (29.11), wollte ich dann die 460km nach Pasabandar, dem Ort, der am weitesten von Teheran (~1900 km) entfernt ist, trampen. Ich trug meine Belutschen-Klamotten, allerdings stellte sich das Trampen als ein bisschen schwierig heraus. Aber Schwierigkeiten bringen ja nur neue Erfahrungen hervor, so konnte ich das erste Mal mit einem Motorrad mittrampen – bis zum Polizei-Checkpoint. Dort lief aber alles ganz entspannt ab – ich musste nicht einmal meine Passkopie zeigen. Wir schwätzten ein bisschen, ich erzählte ihnen, ich wolle nicht Bus fahren, weil ich lieber mit den Fahrern mein Persisch verbessern wolle, und die Polizisten hielten dann für mich ein Auto an, dass mich die Hälfte der Strecke bis Sarbaz mitnahm.
Dort wollte ich dann den Bus nehmen, der kam aber ewig nicht, sodass ich die Straße entlang lief. Dann kam er natürlich, hielt auf mein Winken aber nicht an. Es wurde später und später und ich fand niemanden, der mich mitnahm. So freute ich mich schon auf die Nacht im Zelt und war auf der Suche nach einem geeigneten abgelegenen Plätzchen, als ein Belutsche mich überredete, zu ihm in sein Dorf zu kommen und dort zu pennen. Der junge Mann hieß Jaseme, war 27 und hatte einen Sohn.
Der Sternenhimmel war unglaublich hell, die Toilette auf dem Hof, es wurde gefühlt das ganze Dorf zum Abendessen -es wurde mit den Händen gespeist- eingeladen und die Frau bekam ich nie zu Gesicht. Es war eine neugierige und interessante Runde im konservativen Haushalt. Das schwierigste war immer, daran zu denken, die unreine linke Hand nicht zu essen zu nutzen.
Ein Gast war Mitarbeiter im medizinischen Zentrum im Nachbardorf. Auch wenn Sistan-Belutschestan wie schon erwähnt von der Zentralregierung in Teheran nicht viel Bedeutung zugemessen wird, die medizinische Versorgung wird hervorragend sichergestellt. So hat sich die Zahl der Malariererkrankungen auf der iranischen Seite von Belutschestan dramatisch reduziert und beträgt noch ca. 5 Fälle pro Jahr. Auf der pakistanischen Seite soll die Situation jedoch weiterhin prekär sein.
Am nächsten Morgen ging’s nach dem Frühstück direkt wieder zur Hauptstraße, der angehaltene Bus nahm mich jedoch aus unerfindlichen Gründen nicht mir und um die Sache hier ein bisschen abzukürzen, legte ich die nächsten 200km für faire 100’000 Rial (2,60EUR) zurück. Von dort trampte ich dann nach Pasabandar, nur 5 Fahrminuten von Pakistan weg. Ich kam während des Sonnenuntergangs an, lief Fotos schießend ein bisschen herum und hatte dann Glück von denselben LKW-Fahrern mit nach Tschabahar genommen. Dort brachten sie mich noch zum Busbahnhof, denn ich wollte mit dem Nachtbus nach Bandar Abbas fahren. Doch auch dieser Plan ließ sich nicht realisieren, da mir mitgeteilt wurde, der nächste Bus würde am folgenden Morgen fahren. Daraufhin sprach ich einen LKW-Fahrer an, der vor dem Bahnhof stand, ob er fahren würde. Er tat es nicht, allerdings durfte ich die Nacht auf der Ladefläche verbringen.
Am Dienstag (1.11) konnte ich mich dann endlich auf den Weg nach Bandar machen. Allerdings gezwungenermaßen wieder per Anhalter, weil plötzlich doch kein Bus mehr fuhr. Da zwischen Chabahar und Bandar Abbas keine wichtigen Städte liegen, konnte ich mir wenigstens gewiss sein, dass ein LKW mich die ganzen 700km mitnehmen würde. Und nach einigem Warten geschah das dann auch. Die beiden Fahrer waren auch Kurdestan und zum Glück fuhr der ältere von beiden 10 Stunden durch, sonst wäre ich an dem Abend vermutlich nicht auf Qeschm angekommen.
Auf Qeschm besuchte ich eine Annielie, die ich im Dehkhoda kennengelernt hatte. Sie hat mir ihrem iranischen Mann ein Restaurant auf der Insel (Shabhaye Talai – Golden Nights) und es war wirklich sehr cool, sie wieder zu sehen.
Als ich am Donnerstag (3.12) dann mit dem Zug von Bandar Abbas nach Teheran fuhr, trug ich meine Belutschen-Klamotten und erregte beim Abschluss-Fotoshooting mit Annelie Aufmerksamkeit, denn die roten Haare kombiniert mit den Klamotten, die auch von Afghanen getragen werden, sorgte überall für große Verwirrung. Am Bahnhof wurde ich dann laut, als ein Polizist bei der Körperkontrolle auch dort abtastete, wo es für Männer tabu ist.

Zurück in Teheran war ich von der hohen Polizeipräsenz mit Maschinengewehren überrascht. Während ich unterwegs war, hatte der „Islamische Staat“ Terroranschläge in Teheran angekündigt, also wurden zur Erhöhung der subjektiven Sicherheit der Bevölkerung Polizisten oder Soldaten an jeden Metrostationen postiert und ich natürlich immer zur Seite gebeten. Jetzt weiß ich wenigstens, wie sich die Muslime bzw. Menschen mit offensichtlichem Migrationshintergrund in der Familie in unserer Gesellschaft nach Anschläge fühlen.
Abgesehen davon traf ich mich dann noch mit Freunden, erledigte ein paar Einkäufe im Basar während es schneite und zischte dann mit einem mulmigen Gefühl wieder zurück nach Berlin.
Vielen Dank!

Wochen 26-27 – Aschura

Woche 26, 10.10 – 16.10

Am Samstag fuhr ich also mit meinen Eltern morgens zum Busbahnhof, in der Hoffnung, auch noch eine Karte für denselben Bus zu bekommen. Die Hoffnung erfüllte sich und so machten wir uns auf nach Esfahan.
Dort angekommen machten wir uns gleich zum Imam-Platz auf und fuhren dann ins Jolfa-Viertel, um zu abend zu speisen.
Von dort machten wir uns dann zu Fuß auf zum Hotel, entlang am ausgetrockneten Flussbett und über die berühmte Si-o-se Pol (33-Bogen-Brücke).
Am Sonntag aßen wir dann herrschaftlich Frühstück und bis zum Nachmittag besichtigen meine Eltern die allerhand Sehenswürdigkeiten von Esfahan, während ich immer draußen Buch lesend wartete. Ich kann ja schon alles und bin eh kein guter Reiseführer; da sind die Bücher besser. Und während ich einmal so dasaß, konnte ich endlich meine Farsikenntnisse verwenden, um einem dümmlichen Kommentar („Schaut mal, der Typ sitzt ja nach 40 Minuten immernoch da.“) etwas entgegen zu setzen und für lange Gesichter sorgen – was für ein Hochgefühl.
Zu Sonnenuntergang lotste ich meine Eltern zum am Rande Esfahans auf einem Hügel liegenden Ateschkadeh (Feuertempel). Von dort hatten wir einen wunderbaren Blick über die nachtempfangende Stadt. Danach wurde es für mich dann aber auch schon Zeit, wieder nach Teheran zurück zu fahren. Eigentlich wollte ich den Zug nehmen, aus Bequemlichkeitsgründen, aber der fährt nur alle zwei Tage und natürlich nicht am Sonntagabend. Also musste ich wieder Bus fahren.
Am Dienstag (13.10) fuhren M. und ich dann nach Semnan, um meine Freunde E. und A. für ein paar Tage gemeinsam zu besuchen. So besuchten wir unter anderem ein super leckeres und ursprünglich-traditionelles Kebab-Restaurant in den Bergen, die Stadt Shahrud und trampten von dort nach Bastam. Dort sahen wir uns das Mausoleum von Bayazid Bistami, einem persischen Mystikers des 9. Jahrhunderts, und die alte Freitagsmoschee an und trampten weiter ins Dorf Ghale-Nokharaghan (Nokharaghan Schloss). Dieses liegt am Fuße des mehr oder berühmten Nebelwaldes mit dem gleichen Namen. Leider war es zu spät, um ein bisschen in den Wald zu fahren. Also liefen wir einfach ein bisschen aus dem Dorf heraus und kehrten bei Sonnenuntergang um.
Am Donnerstag (15.10) hingen wir in Semnan herum, halfen A. bei ihrem kurzbevorstehenden Umzug zum Studieren nach München, ich ging am Nachmittag noch mit E. zum ersten Mal in meinem Leben Tennis spielen und am Freitag fuhren wir dann wieder nach Teheran zurück. Damit waren die Ferien auch leider beendet.

Woche 27, 17.10-24.10

Eine neuer Kurs brach an und ich bekam eine anscheinend religiöse Lehrerin, von der nur die Form des Gesicht und der Hände zu erkennen sind.
Den zweiten und dritten Tag ging ich nicht zu Unterricht, da meine Eltern an diesen Tagen in Teheran waren und ihre Reise beendeten. Wie ich am Dienstag feststellte, hatte ich auch nicht wirklich etwas verpasst.
Generell habe ich lange überlegt, ob ich weiter am Dehkhoda Institut „studieren“ sollte. Denn die Note des letzten Kurses war mit 18,5/20 die Zweitbeste, entsprach jedoch überhaupt nicht meinem Niveau. Außerdem bin ich der Meinung, dass ich nun genug Grundlagenwissen erlangt habe, um mir die Sprache selber und besser beizubringen. Allerdings hängt meine Duldung im Iran mit dem Besuchen des Sprachkurses am Institut zusammen, sodass mir im Prinzip keine andere Entscheidung übrig blieb, als noch einen Kurs (bis Dezember) weiter zu machen.

Am Samstag war der Feiertag auf Grund des Aschurafests, bei dem die Schiiten dem Tod des dritten Imam Hussein gedenken, der als Märtyrer in der Schlacht von Kerbala fiel. Das Fest wird am 10. Tag des Trauermonats Muharram begangen. Die zehn Tage von dem Aschurafest wird getrauert und auch danach säumen schwarze Fahnen die Straßen, es darf (offiziell) keine laute Musik gehört werden, kein Makeup und generell farbige Kleidung getragen werden, etc. – alles, was Spaß macht. Daran halten sich aber (wie beim Fasten) nur sehr wenige Iraner. Es finden Trauerprozessionen statt und Schauspiele, die die Reise von Hussein und sein Leiden nachstellen.
Ich fuhr dazu in den Süden Teherans, in das Viertel Nazi Abad. Der Name steht wirklich in Zusammenhang mit Nazis, da die Regierung unter Hitler ein dort ansässiges Eisenbahnunternehmen unterstützten; es gibt allerdings keine Hitlerstraße oder Goebbelsgasse. Alle hundert Meter war eine Prozession und es war sehr interessant diese Märsche und Rituale zu verfolgen. Mit dem Fest einhergehend ist auch das sogenannte Nazri, kostenlos verteiltes Essen und Tee als Zeichen der Dankbarkeit für die Aufopferung Husseins und unabhängig der Kultur (obwohl ein Mann mir auf Nachfragen eines anderen mir Essen verweigerte; nicht, dass ich es nötig gehabt hätte). Als ich nach Hause fuhr und an der Bushaltestelle wartete, kam ein Mann mit leckerem Lamminnereien-Kebab auf mich zu und fuhr mich sogar noch ein Stückchen in meine Richtung.

Aschura in bewegten Bildern:

Wochen 24-25 – Tabriz und Besuch aus der Heimat

Woche 24, 26.9 – 2.10

Am Dienstagnachmittag (29.9) beschloss ich spontan, mir ein verlängertes Wochenende zu gönnen, um mit M. einen Freund von ihr in Tabriz zu besuchen, obwohl in der Woche danach die Abschlussprüfungen anstanden. Wir nahmen den Nachtbus, sodass ich vollkommen übermüdet in Tabriz ankam.
Nachdem wir dann bis in den späten Vormittag gepennt hatten, fuhr M.s Freund Azad uns ein bisschen durch die Stadt. Abends gingen wir dann essen, Wasserpfeife rauchen und noch ein wenig durch die Stadt spazieren. Mittlerweile wird es schnell dunkel und da Tabriz im Norden liegt, war es abends auch schon ziemlich kühl, sodass wir früh schlafen gingen.
Am nächsten Tag nahm uns Azad auf eine Besichtigungstour nach Kandovan, dem iranischen Kappadokien. Doch im Unterschied zu den berühmten türkischen Steinhöhlen, sind die iranischen Höhlen noch bewohnt. Natürlich hat die Moderne in Form von Strom-, Wasser- und Gasanschluss auch dort Einzug gehalten. Leider haben die Iraner auch kein ausgeprägtes Gespür für die Bewahrung alter Architektur und die Eingliederung der von neuer Gebäude. Daher ist von dem ursprünglichen Charme, der noch in Kappadokien – natürlich bedingt durch die Unbewohntheit – zu spüren ist, nicht mehr sehr viel übrig.
Als wir abends wieder in Tabriz waren, liefen wir dort entlang, wo die jungen Iraner das sogenannte „dordor“ veranstalten. Wörtlich heißt das etwas „herumfahren“. Die Iraner setzen sich also, oft mit einem oder zwei Freunden, in ihre Autos – je protziger, desto besser – und fahren eine bestimmte Straße auf und ab. Sehen sie dabei ansprechende Iraner des anderen Geschlechts wird entsprechend langsam gefahren oder aufeinander gewartet, um Nummern auszutauschen oder gleich die Plätze im Auto zu tauschen und direkt nach Hause zu fahren. Als wir die Straße entlang flanierten, sah aber nur vereinzelt Frauen in den Autos; die Männer waren in der Überzahl, sodass wohl viele enttäuscht, alleine und traurig zurückkehrten. Wir kehrten jedoch nicht in dieser Stimmung in Azads Wohnung zurück.
Am Freitag ging es um 14 Uhr dann leider wieder zurück nach Teheran.

Woche 25, 3.10 – 9.10

Es war die Prüfungswoche, so dass ich relativ viel Zeit auf Lernen verwandte. Als wir dann am Mittwoch (7.10) die Prüfung hatten, wurde uns das Ergebnis auch nach drei Stunden noch nicht mitgeteilt. Sonst hatten wir es immer nach maximal 90 Minuten.
Am Freitag (9.10) kamen meine Eltern für eine 10-Tagesreise in den Iran, sodass ich nicht gleich wegfahren konnte. Doch selbst wenn hatte ich kein bestimmtes Ziel, da ich mit M. verreisen wollte, sie aber wegen eine Visums für Deutschland nicht viel Zeit hatte. So organisierte ich meinen Eltern ein paar SIM- und Metro-Karten und traf mich abends mit M.
Meine Eltern kamen ein bisschen erschöpft an, ich ging mit ihnen in den nahe gelegenen Künstlerpark und eröffnete ihnen, dass ich sie auf ihre erste Station nach Esfahan am nächsten Tag begleiten würde.

Woche 23 – Zwei Hochzeiten in einer Woche

Woche 23, 19.9 – 25.9

Endlich mal eine grandiose Woche!!! Ich bin auf zwei Hochzeiten eingeladen worden, von denen die erste gleich am Samstag stattfand. Nach der Schule ging ich also schlafen, schlüpfte dann in mein Sakko und begab mich mit der Metro in die Nähe von Karaj. Dort holte mich E., der Mann von A., ab, bei denen ich während meiner Wüstentour übernachtet hatte und mit denen ich mich danach auch noch einige Male getroffen hatte. Ich muss zugeben, ich war ziemlich aufgeregt, denn ich glaube, dass war erst meine zweite Hochzeit insgesamt und ich hatte schon viele von Hochzeiten im Iran schwärmen hören. Es heiratete die Schwester von A.
Ich kam an und der Saal war zweigeteilt: Ein Bereich für die Frauen, zu dem ich logischerweise keinen Zutritt hatte und dann der Bereich der Männer. Bis zum Abendessen wurde ein bisschen getanzt und ich muss wirklich meinen Hut vor den Perser ziehen – tanzen können sie, aber wie. Aber es hieß sich nicht einschüchtern zu lassen und einfach mit zu zappeln.
Eine Tradition ist, den Bräutigam (oder das Brautpaar) mit Geld zu bewerfen. Gut, dass das Papiergeld im Iran so wenig wert ist. So wurden 10.000 (25 Cent), 20.000 und selten 50.000 Rial-Scheine durch die Luft gewirbelt (siehe Video am Anfang). In Deutschland oder anderswo würde man sehr schnell arm werden oder mit Münzen werfen müssen, was dann allerdings zu unschönen blauen Flecken führen würde. Wer das Geld aufhebt heiratet als nächstes, doch meistens wuselten die kleinen Kinder herum und sammelten das Geld ein.
Nach dem vorzüglichen Abendessen tanzten dann Frauen und Männer gemeinsam und die Hochzeitstorte wurde angeschnitten. Leider war irgendwie schnell die Luft raus und wir sind kurz vor Mitternacht gegangen. Trotzdem tat das dem Erlebnis keinen Abbruch.
Die nächste Feier sollte am Dienstag stattfinden. In der Zwischenzeit wurde am Vali-e Asr Platz, wo ich immer aussteige, wenn ich Bus fahre, dem Iran-Irak-Krieg gedacht: Es waren Waffen, wie Mörser oder AKs ausgestellt, Kleidung von Soldaten und Plakate mit Statistiken und „Fakten“.
Die Party am Dienstag (22.9) fand auch in Karaj statt. Diesmal ging ich nicht mit E. und A. sondern mit M., mit der ich auch schon im Museum für Temporäre Kunst in der Vorwoche war. Eine Arbeitskollegin von ihr heiratete und da es im Iran anscheinend nicht üblich ist, alleine – als Frau oder Mann – auf eine Hochzeit zu gehen, nahm sich mich halt mit. Diesmal war die Feier von Anfang an gemischt und es wirkte alles auch ein bisschen förmlicher und reicher, so wurden beim Werfen der Geldscheine eigentlich nur 50.000-Scheine geworfen – zwei bekam ich auch ab. Vor dem Abendessen gab es ein paar Häppchen und mit Freunden von M. gingen wir dann auch kurz raus, um, wie es die Iraner nun einmal gerne tun, Fotos zu machen und Wasserpfeife zu rauchen.
Wie bei der ersten Hochzeit war das Essen wieder extrem lecker und dann wurde die Tanzfläche gerockt. Diese Hochzeit ging ein bisschen länger als die erste, sodass mehr Zeit zum Tanzen war. Zu guter Letzt wollten dann alle noch mit dem Brautpaar ein Foto haben. Es dauerte bestimmt schon eine Stunde und das Brautpaar sah mittlerweile schon ziemlich mitgenommen aus.
Das Wochenende war dann ein bisschen ruhiger. Ich traf mich abermals mit M. und mit Mahsa, die für ein Reisebüro arbeitet und mir angeboten hat, ich könne doch ein paar Texte ins Englische übersetzen (dem ich inzwischen auch zugestimmt habe und somit meinen ersten kleinen Job hier habe).
Ich habe nicht viel Schlaf bekommen, diesen meist nach der Schule auf dem Dach, aber das hat sich definitiv gelohnt!

Woche 21-22 – No problem? – Yes problem!

Wochen 21-22, 5.9 – 18.9

In der Woche ist wieder wenig passiert. Das Wochenende wollte ich dann endlich dazu nutzen, Bewerbungen zu schreiben.Am Mittwoch (9.9) war ich bei Freunden zu einer Geburtstagsfeier eingeladen.
Um 22.30Uhr nahm ich dann den Bus nach Hause. Er war extrem voll und das will schon war heißen für Teheraner Verhältnisse. Trotzdem quetschte ich mich noch hinein. Davor nahm ich noch war, dass ich eine Nachricht erhalten hatte – die konnte bis zum Aussteigen warten. Ich stieg also aus und wollte die Nachricht beantworten – nur war leider das Handy nicht mehr in meiner Tasche! Auch mein Portemonnaie hing halb aus meiner Tasche – da war wohl jemand gierig. Ich rannte also dem Bus hinterher, holte ihn aber nicht mehr ein. Polizisten, an denen ich vorbeirannte und denen ich mein Problem schilderte taten nichts, außer dämlich zu grinsen und zu fragen, wo ich herkam. Aber es war natürlich auch eine naive Annahme war, dass sie etwa den Bus verfolgen, anhalten und die Passagiere nach meinem Telefon absuchen (es war nur der Vibrationsalarm eingeschaltet) würden, nur, weil ein ein Ausländer behauptet, sein Handy sein dort geklaut worden. Selbst in Deutschland nicht möglich. Ich begab mich trotzdem zur Endhaltestelle, denn eventuell ist es mir ja nur aus der Tasche gefallen. Aber in den dortigen Bussen lag kein Handy. Die Polizei dort vor Ort war auch nicht hilfreich, ich musste mich an Verkehrspolizisten wenden. Diese waren hilfsbereiter und erklärten mir, ich müsse mich an den Polizeidistrikt wenden, in dem ich ausgestiegen bin, also am Enghelab Platz. Das hieß, ich musste wieder zurück. Mittlerweile war es schon 23.30Uhr. In dem kleinen Polizeihäuschen in Enghelab saß ein junger Soldat, der seinen Vorgesetzten informierte. Bis der dann kam verging bestimmt noch einmal eine dreiviertel Stunde. Ich bekam dann einen Zettel ausgehändigt, mit dem ich mich dann am nächsten Tag an die Polizeidienststelle wenden sollte. Ich hoffte, dass die Tür im Wohnheim offen war, denn ich hatte nun wirklich keine Lust wieder die Nacht draußen zu verbringen, aber zum Glück war sie offen.
Am nächsten Tag (Donnerstag) begab ich mich dann also zur Polizei, musste einen Wisch unterschreiben und sollte dann mit einer Kopie der Rechnung etc wiederkommen. Ich war froh, Farsi sprechen zu können, denn keiner konnte Englisch…
Den übrigen Tag verbrachte ich bei Zari und als ich am Abend zurückkehrte, kaufte ich mir ein neues Telefon, SIM-Karten hatte ich ja noch genug und die Kontakte hatte ich auch gespeichert. Von daher habe ich eigentlich wirklich nur Geld verloren, aber für 57€ habe ich dann ein gebrauchtes HTC Desire 310 mit 16GB Speicherkarte bekommen – kein schlechter Deal.
Am Freitag (11.9) richtete ich dann das Telefon weiter ein, traf mich mit Zhihui und ging am Abend mit meinen Mitbewohnern und ein paar anderen in ein Café.
Das Verfolgen des Busses im Sprinttempo, verbunden mit der dazugehörigen Atmung, sorgte für die nächste Woche für erhebliche Hustenanfälle.

Am Samstag kaufte ich dann wieder Internet und Gesprächsguthaben. Leider nahm ich auch eine Softwareänderung vor, die schief ging, sodass mein Telefon nicht mehr anging – das lief ja alles spitzenmäßig. Am Sonntag ging ich also wieder bis zum Abend zu Zari und um 2.30Uhr am Montagmorgen hatte ich das Telefon wieder betriebsbereit gemacht.
Das war gut, denn so konnte ich mich am Dienstagabend (15.9) zur Eröffnung einer Kunstausstellung im Museum für Zeitgenössische Kunst verabreden.
Das folgende Wochenende (17. und 18.9) war dann endlich mal einigermaßen ruhig. Am Donnerstag ging ich zu Freunden einer Bekannten und am Freitag lernte für die Zwischenprüfung.


Ich möchte auch noch etwas zum Nahverkehr des Nachts sagen. In Teheran gibt es fünf Metrolinien und sechs Schnellbuslinien (BRT – Bus Rapid Transport). Die Metro verkehrt von ca. 5.30Uhr bis 22.30Uhr, die BRT-Linien aber Gott sei Dank 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Das BRT-Netzwerk deckt einen Großteil Teherans ab. Dadurch kann man sehr gut auf eine Taxifahrt verzichten. Ein weiterer dicker Pluspunkt ist, dass die Busse nachts noch sehr regelmäßig fahren. So musste ich nie länger als 10 Minuten warten!

BRT-Liniennetz (Stand September 2015)
Metro Liniennetz

Woche 20 – Und wieder grüßt der Ayatollah

„Woche“ 20, 24.8 – 4.9

Teheran hat mich nach meiner Kaukasusreise (Schöner Kaukasus) und 2-wöchigem Deutschlandaufenthalt wieder und ich habe beschlossen, größtenteils nur noch kleinere Alltagsgeschichten oder Anekdoten zu notieren; alles andere ist doch nur langweilig.
Am Abend des 24. Augusts (Montag) sollte es also wieder zurück nach Teheran gehen. Allerdings verspätete sich der Flug und wurde nach Dresden umgeleitet. Ich bekam einen Gutschein über großzügige sieben Euro, mit dem ich zwei Halbliterflaschen Cola kaufen konnte und noch zwei Schokoladenstücke obendrauf bekam.
Um 21 Uhr wurden wir alle in Busse verfrachtet und zum Dresdner Flughafen gefahren. Das Problem war nämlich, dass in Schönefeld ab 23 Uhr ein Nachtflugverbot gilt. Das heißt, der verspätete Flieger hätte zwar noch landen können, aber nicht mehr starten dürfen. In Dresden gilt ab Mitternacht Nachtflugverbot – wir hoben um 00:03Uhr ab. Einen Bordservice gab es auf dem 4,5h-Flug jedoch nicht, d.h. wir hoben mit 4 Stunden Verspätung ab und das einzige, was die Fluggesellschaft (Germania) zum leiblichen Wohl reichte, war ein mickriges Brötchen und Saft. Ich hatte immerhin auch ein paar Brote und Obst mit, aber als ich mit 3,5h Verspätung in Teheran ankam, war ich ziemlich hungrig und machte mich zu Freunden auf, bei denen ich meine ganzen Sachen gelagert hatte. Da meine Freunde kein Englisch sprechen, war ich froh, als ich bemerkte, dass ich doch nicht so viel Farsi vergessen hatte und nicht vollständig herumstammelte.
Am Freitag (28.8) ging ich den Gottesdienst, der um 18Uhr abends stattfand und saß anschließend noch in netter Runde mit dem Pfarrers-Ehepaar und zwei weiteren Gottesdienstbesuchern zusammen.
Bis zum nächsten Wochenende war nicht viel los. Ich bezog wieder die alte Wohnung, die ich scheinbar das letzte Mal im Juli sauber gemacht hatte und in der mittlerweile ein netter Türke und Pakistaner wohnen.
Ich traf nach drei Monaten wieder Zhihui und verabredete mich für Dienstagabend (2.9) mit Jooyang (aus Südkorean) und Mayuko (aus Japan). Davor schaute ich noch ganz schick mit Sakko bei der Deutsch-Iranischen Handelskammer vorbei, um mir eine Liste mit Unternehmen geben zu lassen, bei denen ich mich demnächst bewerben werde.
Der Abend mit Jooyang und Mayuko wurde nett, wieder sehr schmackhaft und lang. Um 3.15 Uhr brachen Mayuko und ich auf, eine Stunde später kam ich im Wohnheim an. Ich bin wirklich dankbar, dass im Gegensatz zu anderen Metropolen, wie Istanbul, in Teheran regelmäßig (ca. alle 15-20 Minuten) Nachtbusse auf den Hauptverkehrsadern unterwegs sind.
Ich war froh, dass die Gebäudetür des Wohnheimes auf war, denn ich habe nur einen Schlüssel für die Wohnung, was sich später noch als Hindernis herausstellen sollte. Knappe 3,5h Schlaf konnte ich mir gönnen, bevor ich wieder zur Schule musste. Danach holte ich noch ein bisschen Schlaf nach, doch um 18.30Uhr sollte ich am Tajrish sein, um mit Jooyang, Mayuko und ihrem Bekannten Yasuki auf eine Feier ihrer Bekannten zu fahren.
Die Feier war lustig, die Wohnung mit Schwarzlicht ausgestattet und die Stimmung ausgelassen.
Um 20Uhr am Donnerstag (3.9) hatten mich andere iranische Freunde zu einem traditionellen klassischen Konzert iranischer Musik eingeladen. Auch dieses Ergeignis war sehr interessant. Die beiden Sänger Hafez Nazeri und sein Vater Shahram wurden von klassischen und iranischen Saiteninstrumenten sowie Trommeln begleitet.
Um 1 Uhr brachten mich meine Freunde zum Wohnheim zurück und als sie abgefahren waren, stand ich dann vor der Tür…die zu war…und es war auch keiner mehr im Gebäude wach, obwohl ja eigentlich Samstag war. Also was tun? Nun ja, nach zwanzig Minuten ging ich dann in den Laleh Park. Ich hatte schon durch vorherige nächtliche Ausflüge gesehen, dass sich die Menschen nachts auf Parkbänke oder auch einfach den Boden legen. Daher suchte ich mir eine vor neugierigen Blicken geschützte und dunkle Ecke. Ich wurde auch nicht entdeckt, allerdings ganz ohne Decke war leider nicht an Schlafen zu denken, dafür war es doch zu frisch und ich nicht müde genug.
Um 6 Uhr am Freitag stand ich auf, klopfte Erde von meinem Konzertoutfit und ging zum Wohnheim. Aber die Tür war, was für ein Zufall, zu. Also lief ich eine große einstündige Runde in der Gegend, aber die Beziehung zwischen Tür und Rahmen war vorher wie nachher gleich eng. Da ich keine Lust hatte, vor der Tür zu warten, ging ich wieder zurück in den Park. Und siehe da, ich traf auf zu Musik Frühsport machende Iraner. Angefeuert wurde das ganze bunte Spektakel von einem Übertragungswagen des Radiosenders Radio Javan (Jugendradio), obwohl die Herrschaften, die an den Übungen teilnahmen, alle älter als 50 schienen. Daneben gab es jedoch noch eine Menge junger Leute, die zumeist Federball spielten. Auf der Wiese wurde schon gefrühstückt – insgesamt war ich sehr positiv überrascht und froh, dass die Tür im Wohnheim des Nachts zu gewesen war.
Nachdem ich dem Treiben fünf Minuten zugesehen hatte, kam ein Reporter auf mich zu und es wurde spontan ein Interview mit mir, dem Österreicher, geführt. Ich bekam überraschender Weise sogar ein kleines Präsent: ein Weltempfänger.
Kurz vor neun kehrte ich zurück, da an diesem Freitag englischsprachiger Gottesdienst war und ein Holländer dort hinging. So war es auch und ich konnte endlich in die Wohnung.

Live-Interview mit Radio Javan (Original-Link Radio Javan – Interview)

Woche 16-18

6. Juni bis 24. Juni
Die letzten drei Wochen ist nicht viel passiert. Ich war mit Yang, meinem taiwanesischen Mitbewohner, und japanischen Freunden von ihm in der Residenz des algerischen Botschafters, weil dort eine kleine Ausstellung über Kleidung, Kunst und Essen gezeigt wurde. Da die Tochter des Botschafters in Yangs Klasse ist, wurde er so auf die Veranstaltung aufmerksam.
Außerdem haben Yang und ich uns einen Tag auf die Suche nach einem Automarkt gemacht, haben diese aber noch nicht einmal gefunden.

Am Wochenende von Woche 17 (am 18. Juni bis 20.6) fuhr ich mit dem Zug nach Sari, um meine Freunde dort zu besuchen. Donnerstag war außerdem der erste Tag des Fastenmonats Ramadan, der jedoch praktisch nur in der Öffentlichkeit praktiziert wird. Ich kenne niemanden, der sich in den eigenen vier Wänden oder im Büro daran hält.
Noch am Donnerstag sind wir zu einer Geburtstags-Grillparty gegangen, die westlichen in nichts nachstand: Leckere Salate, leckeres Fleisch und gute Getränkeauswahl.
Am Freitag waren wir dann bis zum späten Nachmittag im Haus, da es draußen ziemlich war und humid war, die perfekte Gelegenheit, mein Buch auszulesen. Vor Sonnenuntergang sind wir dann zum Kaspischen Meer gefahren und haben ihn uns dort angeschaut. Am Strand kümmerte sich niemand darum, ob die Sonnen schon untergegangen war oder nicht – es wurde schon angefangen zu essen und zu trinken.
Wir sind dann in ein Restaurant gefahren und haben uns dort die Bäuche voll geschlagen.
Samstagmorgen habe ich mir von der Schule frei genommen und bin am morgen mit dem Bus nach Teheran gefahren.

Generell passiert jetzt nicht mehr so viel. Ich treffe mich ab und zu mit Freunden und freue mich hauptsächlich auf Juli, wenn ich wieder auf Reisen gehen kann. Das nötige Material habe ich zum Glück am Montag bekommen, sodass ich jetzt nur noch der Dinge harre, die da kommen.

Am Wochenende ist dann doch noch etwas los gewesen. Ich bin in den Laleh Park, weil dort ab ungefähr 21.30Uhr ein Ramadan-Programm stattfindet. Es sind immer Sänger dabei. Einen Tag gab es noch eine artistische Vorführung und der traditionelle iranische Sport Zurkhaneh (dabei wird mit Holzkeulen unterschiedlicher Größen hantiert) vorgeführt.
An einem anderen Tag war ein Stimmimitator das Highlight.

In Teheran ist es tagsüber übrigens um die 40°C heiß und nachts kühlt es auch nicht sehr ab. Wenn man also fünf Stunden draußen verbringt, herumläuft und quatscht ohne, wegen Ramadan, in ein privates Haus einzukehren, wird der Mund sehr schnell trocken und man wünscht sich nichts sehnlicher als ein Glas Wasser.

Woche 15 – Irans Grüne Seite

30.5-5.6, Samstag-Freitag

In der vorherigen Woche (23.5-29.5) ist nicht wirklich etwas Erwähnenswertes passiert.

Der Mittwoch (3.6) war Feiertag, sodass das Wochenende einen Tag länger war. Das musste natürlich ausgenutzt werden und ich beschloss nach dem Vorschlag einer Bekannten in die Region um das Bergdorf Soobatan, im Nordwesten Irans (Provinz Gilan), an der Grenze zu Aserbaidschan, zu fahren.
Ich wollte von der Küste, nördlich von Talesh das Gebirge in westliche Richtung bis zum Neor See durchqueren und einen Stopp in Soobatan machen und außerhalb des Dorfes zelten. Die ganze Strecke beträgt (inkl. Höhenanpassung) ca. 38 Kilometer.
Neor-Soobatan-Coast
Allerdings wollte ich nicht alleine fahren und fragte deshalb ein bisschen herum. Und tatsächlich fand sich sogar jemand. Eine Freundin von Friscos Bekannten, mit denen ich mich auch schon einmal getroffen hatte, wollte mitkommen. Sie ist zwar noch nie gewandert und hat auch noch nicht gezeltet, aber das Höhenprofil sah nicht schwierig aus und 38 Kilometer auf zwei Tage verteilt, war meiner Meinung auch nicht schwer zu bewältigen. Da das ganze Unterfangen (Wandern ohne Tour und zelten) für iranische Verhältnisse extrem verrückt anmutete, war ich mir bis zum Abreisezeitpunkt nicht sicher, ob ich am Ende nicht doch reisen würde.
Als ich am Dienstag Nachmittag (2.6) die Bustickets für den Abend kaufte, stellte sicher heraus, dass wir die Tour in die entgegengesetzte Richtung machen mussten, da es nur Busse nach Ardabil, aber nicht nach Asatara gab.
Um 22Uhr sollte der Bus fahren und um 21.15 traf ich mich dann tatsächlich mit A. Der Bus fuhr eine Stunde zu spät ab und schlafen konnte ich nicht gut.
Dem Mann, der mein Gepäck in den Bus packte, sagte ich, wir wollten Budalalu aussteigen und er nahm es nickend zur Kenntnis. Ich war mir nicht sicher, ob er es wirklich verstanden hatte, zumal der Mann, der die Tickets kontrollierte, den Ort nicht kannte.
Am Mittwoch (3.6) um 7 Uhr hielt der Bus jedoch tatsächlich. Dann stellte sich nur noch die Frage, wie wir zum See und Startpunkt gelangen sollten. A. sprach eine Reisegruppe an und zum Glück waren in deren Bus noch genau zwei Plätze frei.
Um 9Uhr liefen wir dann los, doch schon zwei Stunden später hatte A. keine Lust mehr und wollte Auto fahren. Das war in sofern möglich, als dass das Dorf schon über Wege verfügt, über die Lebensmittel und faule Touristen das Dorf erreichen können. Ich hatte keine Lust zu fahren und so gab ich A. ein paar meiner Sachen, damit mein Gepäck nicht ganz so schwer war. Ich schätzte, dass ich zwischen 14 und 15Uhr in Soobatan ankommen würde.
Ich kam kurz nach 14 Uhr an, traf A. aber erst gegen 16Uhr. Dann diskutierten wir, ob wir die Gastfreundschaft von einem Bewohner annehmen sollten oder den Weg für den nächsten Tag verringern und wie gedacht im Zelt schlafen.
Ich konnte A. von letzterem überzeugen, doch die Entscheidung fiel zu spät, denn ein Gewitter, das zwar nur kurz dauert, zog auf und bevor es losging, trafen wir auf eine große Familie, die uns dann nicht mehr weiterlaufen ließ und auch A. war von deren Vorschlag angetan, wir sollte bei ihnen die Nacht verbringen; also ging es wieder zurück nach Soobatan.
Als das Gewitter vorüber war fuhren mit dem Jeep ein bisschen umher und später gab es Abendbrot, bei dem ich so wenig aß, dass die Familie es als Beleidigung ansah. Von daher konnte ich die Hilfe nicht zu 100% zu schätzen wissen. A. und ich legten uns dann auf der Terrasse schlafen, weil wir früh aufstehen wollten. Erstaunlicherweise war die Nacht ziemlich war und überhaupt nicht kalt, wie ich gefürchtet hatte.
Um fünf standen wir dann auf und packten die Sachen zusammen. Der Weg, den wir nun zurück nahmen, konnte nicht mit dem Auto befahren werden. Dafür trafen wir regelmäßig auf Hirten oder Nomaden, die ihre Tiere den Weg entlang trieben.
Die Entfernung betrug nur 15km, aber es wurde eine Herausforderung. Gleich am Anfang nahm ich A. den Rucksack ab, doch bald zeigte sich die Unerfahrenheit, denn wir kamen nur sehr langsam voran. Wir brauchten fast 10 Stunden, bis wir an der Straße ankamen, von wo wir nach Hause fahren konnten. So lange am Stück war ich noch nie mit so viel Gepäck unterwegs gewesen und meine rechte Schulter begann auch irgendwann, Probleme zu bereiten.
Die Natur war natürlich wunderschön und das Gebiet wird auch vollkommen zu recht die Iranischen Alpen genannt. Die Landschaft sah wirklich wie in Mittel- und Nordeuropa aus oder dem Balkan aus.
Als wir dann an der Straße ankamen, zogen wir den Vorteil daraus, die Reisebusse einfach am Straßenrand anhalten zu können. Das war kurz nach 15 Uhr und der Fahrer sagte uns, es seien 5,5h bis 6h bis Teheran. Leider kamen wir aber erst um 23Uhr an…

Woche 13 – In der Wüste

Sogleich zu den Fotos

Tag 90, 16.5, Samstag

Nachdem ich das Wochenende zur Entspannung nutzte, machte ich mich am Samstagmorgen gespannt zu meiner Wüstentour auf (Route: ).
Als die Idee war auch maßgeblich von Frisco beeinflusst, der nach dieser Woche wieder zurück nach Sardinien fliegen würde. Mit ihm wollte ich mich in Garmeh, einem kleinen Oasendorf, treffen. Mein Plan sah vor, am Samstag nach Naein zu trampen und dort etwas abseits der Stadt die Nacht zu verbringen.
Von Teheran bin ich bis Qom getrampt und wurde dann mit Ali Reza und seinem Sohn im LKW bis Naein mitgenommen und auch zum Mittagspicknick eingeladen.
In Naein kam ich dann vor Sonnenuntergang an, sodass ich beschloss, einfach zu versuchen bis Garmeh bzw. Khoor zu kommen. Während ich durch die Stadt lief, kaufte ich noch ein bisschen Brot und wurde dann bis Anarak mitgenommen. Mittlerweile war es dunkel, doch als ich die Straße entlang lief, hielt ein LKW-Fahrer und nahm mich bis nach Khoor mit, wo ich 23.30 Uhr ankam. Ich lief dann eine Weile unter dem wunderbaren Sternenhimmel Richtung Garmeh und wurde schließlich von Studenten bis Garmeh gefahren. Sie konnten nicht glauben, dass ich in außerhalb des Dorfes mein Zelt aufschlagen wollte: Es würde jemand kommen, um mich umzubringen, Kamele würden mich tot treten oder was würde ich machen, wenn eine Schlange käme? Also sagten sie mir, ich solle in einem kleinen Gebetsraum schlafen. Nachdem sie dann gefahren waren, lief ich natürlich aus dem Dorf und schlug meinen Zelt hinter einem Hügel, von Blicken geschützt, auf.

Tage 91-92, 17.5-18.5, Sonntag-Montag

Am nächsten Morgen traf ich mich mit Frisco und wir liefen ein bisschen im und um das Dorf herum. So gingen wir der Wasserstelle, die die umliegenden Felder versorgte und wahrscheinlich auch die Wasserversorgung des Dorfes. Dort tummelten sich viele Putzerfische, die sich sogleich meinen Füßen widmeten.
Mittags gönnte ich mir dann das doch ziemlich teure Buffet im Hostel von Frisco. Danach begaben wir uns in die Umgebung, um ein anderes Dorf zu besichtigen. Das Dorf selber war schwer zu finden und nicht besonders schön. Dafür war der Weg dorthin die Mühe wert. In der Dämmerung waren wir wieder im Dorf. Während Frisco zu Abend aß, baute ich mein Zelt an der Wasserstelle auf und entfachte ein Feuer. Eigentlich wollten wir dann mit anderen Hostelgästen in ein Café gehen, aber das hatte geschlossen. Also gingen wir zu meinem Schlafplatz und unterhielten uns bis Mitternacht ein bisschen am Feuer. Zweimal streunten zwielichtige Typen herum, aber als ich mich dann schlafen gelegt hatte, kamen sie scheinbar nicht noch einmal vorbei.
Den nächsten Tag ließ ich ruhig angehen. Ich stand spät auf und trampte Mittags mit Frisco nach Khoor. Dort aßen wir Mittag und gegen 16Uhr brach ich dann alleine nach Tabas auf. Wieder nahm mich das erste Fahrzeug, ein LKW, mit. Dieser Teil der Route ist der Hauptverkehrsweg von Esfahan nach Maschhad, sodass zu jeder Zeit Fahrzeuge unterwegs sind.
In Tabas wollte ich den Schah Abbasi Staudamm besichtigen. Er war allerdings von dem Punkt, an dem ich abgesetzt wurde, ca. 20km entfernt und langsam dämmerte es schon. Also suchte ich mir etwas abseits eine alte Zisterne und schlug dort mein Nachtlager auf.

Tag 93, 19.5, Dienstag

Ich stand ziemlich früh auf und wurde von einem Lehrer in die Nähe des Damms gefahren. Dort stand ein deutscher VW-Bus, allerdings schliefen die Insassen wohl noch. Um zum Damm zu gelangen, muss man ungefähr 40 Minuten einem kleinen Fluss durch einen Canyon folgen.
Das Wasser war (leider) erstaunlich warm und der Fluss war auch nicht besonders tief. Irgendwann beschloss ich, meinen Rucksack abzulegen – es war Dienstagmorgen um 8.30 Uhr, wer sollte den klauen?? – und ohne die Last weiter zulaufen. Später wurde das Wasser ein bisschen tiefer und man konnte auch nicht mehr am Rand auf dem Trockenen laufen, sodass ich meine Hosenbeine entfernte und mit Shorts durch das Wasser lief – ein klarer Verstoß gegen die Kleidervorschrift der Islamischen Republik, aber es war ja niemand sonst unterwegs.
Der Damm taucht dann plötzlich hinter einer zwei Meter hohen Art Steinbarrikade auf und bietet eine beeindruckende Erscheinung.
Als ich wieder zurückkam, traf ich auf die beiden Deutschen. Sie sind nach Indien gefahren und waren jetzt wieder auf dem Rückweg. Sie brachten mich dann auch nach Tabas. Von dort wollte ich nordwärts und dann die Straße 36 am Rande der Wüste durch einen Nationalpark entlang.
Leider war an der entscheidenden Kreuzung ein Polizei-Kontrollpunkt. Das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn die wenigen Autos, die in meine gewünschte Richtung fuhren, mich mitgenommen hätten. Aber vielleicht waren Sie durch die Polizeipräsenz eingeschüchtert, jedenfalls glotzten sie immer nur.
Der Kontrollpunkt war im Prinzip ein abgezäuntes Gelände mit kleinem Häuschen direkt an der Straße, einem weiteren Gebäude und einem Wohnwagen. In dem Häuschen direkt an der Straße saßen ein junger Polizist und ein Soldat. Nach knapp einer Stunde pfiffen sie mich heran, aber da ich kein Hund bin, wartete ich, bis sie direkt zu mir gelaufen kamen. Sie sahen sehr gelangweilt aus und der Polizist fragte nach meinem Pass. Ich wollte wissen warum, aber er zeigte nur auf seine Kleidung und den Aufnäher „POLICE“. Mir blieb also nichts übrig, als ihm den Pass auszuhändigen und sprach mit denen dann nur noch Englisch.
Zweieinhalb Stunden später wurde mir der Pass zurückgegeben. In der Zwischenzeit wurde sein Boss gerufen, eine weitere Verkehrspolizei kam an und holte per Zufallsprinzip LKWs aus dem Verkehr und konfrontierte sie mit imaginären Verstößen, um ordentlich Schmiergeld zu kassieren. Der dafür verantwortliche Polizist war ein richtig abstoßendes Arschloch, das muss leider so gesagt werden. Generell benahmen sich die Beamten sehr überheblich allen, auch mir, gegenüber. Irgendwann kamen dann auch zwei individuell reisende Dänen an der Kreuzung vorbei, die ebenfalls angehalten wurden. Nachdem deren Pass überprüft wurde, konnte ich dann auch weiterreisen; allerdings war es dann schon ziemlich spät. Ich musste übrigens kein Schmiergeld zahlen und hätte es auch nicht getan. Diesen Triumph hätte ich denen nicht gegeben.
Ich musste meine Reiseroute ändern und anstatt der kleinen Straße, die Schnellstraße weiter nördlich nehmen. Ein von der Polizei angehaltener LKW musste mich dann in die nächste Stadt (Bardaskan) nehmen. Dort legte er einen Tankstopp ein und ich entschied, neben der Moschee der Raststätte zu zelten – was erlaubt ist. Den Abend verbrachte ich mit Lesen.

Tag 94, 20.5, Mittwoch

Ich wollte bis Semnan trampen, wo ich Couchsurfing machen wollte. Ursprünglich wollte ich schon am Vortag ankommen, aber das hatte sich ja erledigt. Von Bardaskan ging es nach Sabzevar, wo mich ein LKW mitnahm, dessen Fahrer mich für einen Türken hielt. Anfangs fuhr er ziemlich flott, doch später nur noch um die 40km/h. Sodass ich ihm dann mit schlechtem Gewissen um 15Uhr, als er seine Mittagspause machte, eröffnete, ich kann nicht essen, sondern muss weitertrampen, da meine Freunde mich eigentlich gegen Nachmittag erwarteten. Ich tat mich wirklich schwer, aber die Entscheidung war richtig, denn 2,5 Stunden später war ich in Semnan. Obwohl ich 25km vorher schon dachte, es würde doch später werden, denn ein Hinterreifen des Autos platzte. Doch zum Glück hatte der Fahrer einen Ersatzreifen und 15 Minuten später fuhren wir weiter.
Meine Couchsurfinggastgeber waren ein iranisches Pärchen, das sehr nett war. Der Mann, E., holte mich ab, konnte aber kaum Englisch sprechen, sodass ich mich mit ihm auf Farsi unterhielt. Seine Frau, A., sprach jedoch Englisch und die beiden hatten für ein paar Wochen einen Deutschkurs besucht. Es war nett, nach fast vier Tagen wieder Englisch sprechen zu können.
Da die Fahrer nämlich alle nur Farsi konnten, blieb mir nichts anderes übrig, als mich durchzukämpfen. Ich hoffe, es hat mir etwas gebracht, denn die Gesprächsthemen waren simpel und meistens unterhielt ich mich mit den Fahrern über dasselbe.

Tage 95-96, 21.5-22.5, Donnerstag-Freitag

Am Donnerstag fuhren E. und A. nach Teheran und nahmen mich mit. Das restliche Wochenende erholte mich und tat nichts.


Woche 11

Tag 75, 2.5, Samstag

Es war Nationalfeiertag, darum hatte ich keine Schule. Gemacht habe ich aber nicht viel. Zusammen mit Zhihui und ihrer Mitbewohnerin Feyza bin ich einen Kaffee trinken gegangen.
Außerdem herrscht in Teheran zu dieser Jahreszeit eine extreme Mückenplage. Obwohl die Luft sehr trocken ist und kaum stehende Gewässer vorhanden, schaffen es die Ausgeburten des Teufels doch sich rasend schnell zu vermehren. Im Gegensatz zu den Iranern sind diese auch flink und wendig und scheinen schon Sekunden vorher zu wissen, dass man sie erschlagen möchte; gierig nach Blut sind sie außerdem.
Jedenfalls kann ich mich noch nicht einmal vollständig in meinen Schlafsack verkriechen, weil die Viecher trotzdem irgendwelche Lücken finden. So musste ich hinnehmen, dass eines Morgens mein kompletter Unterarm mit kleinen Hügelchen versehen war. Glücklicherweise jucken die Mückenstiche nicht.

Tage 76-79, 3.5-5.5, Sonntag-Dienstag

Wieder eine normale Schulwoche, in der die Lehrerin mir wieder mehrmals mitteilte, dass mein Niveau für Deutsche ungewöhnlich (schlecht) ist. Was sie dabei aber außer Acht lässt, dass 90% der Deutschen von ihrem Studiengang aus in den Iran fahren und schon in Deutschland Sprachkurse belegt haben. Ich hingegen, wie Tobias auch, sind blutige Anfänger und dementsprechend schlecht oder auf dem Niveau der anderen.
Am Montag sind wir in den iranische Ableger der französischen Supermarktkette Carrefour (Hyperstar) gegangen. Yang hatte davon gehört und wir brauchten eh eine Menge Dinge. Der Markt ähnelte wirklich den „westlichen“ beziehungsweise „normalen“ Riesensupermärkten, wie Kaufland oder real oder Metro. Die Bierabteilung ist natürlich lächerlich und irgendwann wurde ich auch darauf hingewiesen, dass das Schießen von Fotos verboten sei.

Tage 80-82, 6.5-8.5, Mittwoch-Freitag

Das Wochenende nahte und eigentlich wollte I. nach Teheran kommen und die Buchmesse besuchen. Daraus wurde aber nichts. Ich musste aus Teheran raus und mit Hilfe von der Satellitenansicht von Google Maps wählte ich ein Tal im Nordosten aus. Nach dem Unterricht brach ich dann nach Kalugan auf, was ich mit Metro, Bus, ein paar Kilometern zu Fuß und 25km per Anhalter erreichte. Im Dorf angekommen kletterte ich bis zur Dämmerung herum, um eine einigermaßen gute Stelle für mein Zelt zu finden. Das ich aber mitten im Gebirge war, konnte ich es logischerweise nur Behelfsweise aufstellen und hatte Glück, dass es die Nacht nicht regnete. Abgesehen von ein paar anderen Unannehmlichkeiten, genoss ich es, in sicherer Entfernung vom 14 Millionen Moloch zu sein.

Am Donnerstagmorgen habe ich dann alles wieder zusammengepackt und bin zurück. Etwas niedergeschlagen bin ich am Abend mit Frisco, Yang und einem anderen Dehkhoda-Studenten in ein Kaffee. Später kamen noch eine Iranerin und Zhihui dazu.

Am Freitag um 10 Uhr bin ich dann zum Gottesdienst der evangelischen Gemeinde in Teheran (). Es war das erste Mal und es hat mir sehr gefallen. Es waren noch ungefähr 12 andere Leute da und nach dem Gottesdienst blieb ich noch bis kurz nach zwölf zum Tee und zum Quatschen.
Als ich dann wieder zurück in Enghelab war, pilgerten die Iran gerade zum Freitagsgebet oder zur Freitagsansprache an der Universität Teheran. Die Hauptstraße war für Autos gesperrt und vereinzelt waren wieder die „Tod Amerika/Israel“-Schilder zu sehen.