Letzte Wochen 33-34 – Belutschestan & Tschüss, Teheran!

Wochen 33-34, 21.11 – 7.12

Meine letzten beiden Wochen im Iran standen an. In der Prüfungswoche am Mittwoch, direkt im Anschluss nach der Prüfung, fuhr ich zum Flughafen, um nach Zahedan, in Sistan und Belutschestan, fliegen. Ich wollte zwischen neun und zehn Tage in Belutschestan herumreisen und am Ende noch eine Bekannte auf Qeschm besuchen (Route).
Am Mittwoch (25.11) flog ich dann mit nur 30 Minuten Verspätung vom City-Airport Teheran Mehrabad in die Provinzhauptstadt der „gefährlichen“ Grenzregion Sistan und Belutschestan. Das, was die meisten Europäer vom Iran denken, denken die meisten Iraner von Sistan-Belutschestan. Die Fluggesellschaft IranAir, die als unsicher gilt und von denen im Sommer ein Flugzeug über Teheran abstürzte, brachte mich jedoch sicher ans Ziel.
Gleich zu den Bildern

„In der Provinz Sistan-Belutschistan (Südosten, Grenze zu Pakistan/Afghanistan) kommt es regelmäßig zu Konflikten zwischen iranischen Sicherheitskräften und bewaffneten Gruppierungen. Die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt und es gibt vermehrte Sicherheits- und Personenkontrollen. Die iranische Regierung hat die Provinz im November 2007 für ausländische Staatsangehörige zur ’no-go-area‘ erklärt. Wiederholt wurden Ausländer in der Region festgehalten und längeren Verhören unterzogen. Eine Weiterreise war in manchen Fällen nur noch mit iranischer Polizeieskorte möglich. Dies geschieht vor dem Hintergrund Hintergrund von seit Jahren häufig auftretenden Fällen bewaffneter Angriffe auf iranische Sicherheitskräfte in der Region.
Von Reisen in den Osten der Provinz Kerman und Sistan-Belutschestan sowie in die Grenzgebiete Irans mit Pakistan und Afghanistan wird dringend abgeraten. In diesen Gebieten besteht ein erhebliches Entführungs- und Anschlagsrisiko. Dies betrifft insbesondere das Gebiet im Dreieck zwischen den Städten Zabol, Bam und Chabahar.“ [Auswärtiges Amt; Iran: Reise- und Sicherheitshinweise; Terrorismus/Reisen über Land]

Wie in anderen Fällen auch, kann ich der Beschreibung des Auswärtigen Amtes nicht zustimmen – hauptsache Panikmache betreiben. Dazu mehr im weiteren Verlauf. .
Als ich jedenfalls in Zahedan am späten Nachmittag ankam, traf ich mich mit A. und wir gingen auf dem Basar, da ich mir die traditionelle Kleidung der Belutschen zulegen wollte. Der erste Händler bot die Hose mit Oberteil für 0,79Mio Rial (20€) an, der zweite wollte für einen maßgeschneiderten Zweiteiler 470’000 Rial (13€) haben. Den konnte ich mir am nächsten Tag abholen.
Das tat ich dann auch, zog das Gewand aber noch nicht an. Zugegebenermaßen lief ich nicht viel durch die Stadt, aber von Polizisten wurde ich nicht angehalten oder belästigt, obwohl diese mich durchaus sahen. Abends traf ich mich mit Freunden von L., bei dem ich übernachtete. Es war eine Außenanlage, die im Sommer sehr bevölkert ist. Da es aber ziemlich kalt war, verdrückten wir uns lieber mit ein paar Tees in ein beheiztes Zelt.
Am nächsten Morgen fuhr ich mit A. und einem Kumpel von ihr etwas südlich von Zahedan zu einer kleinen Wandertour. Als wir wieder zurück waren, aßen wir Frühstück und ich trampte dann nach Saravan, das 430km weiter südöstlich liegt.
In Sistan und Belutschestan gibt es in den Häusern keinen Gasanschluss, wie in Teheran oder anderen Städten im Iran. Es müssen extra Behälter angeschafft werden. Generell wird diese Provinz von der Regierung in Teheran links liegen gelassen. Das liegt zu einen daran, dass die Bevölkerung Sunniten sind und mehrheitlich in Stämmen organisiert. Daher haben die Offiziellen kaum Einfluss. Ex-Präsident Ahmadinedschad hat das Problem erkannt und nun wenden sich die Regierungsmitarbeiter direkt an die Stammesoberen.
Die Arbeitslosigkeit in Belutschestan ist riesig. Die meisten Leute verdienen ihr täglich Brot scheinbar mit dem Schmuggel von Diesel nach Pakistan. Sie kaufen sich Pick-ups, laden dann ihr Dieselkontingent in Kanister auf die Ladefläche und ab geht’s über die Grenze. Das zweite Stück von Zahedan nach Saravan bin ich in einem Auto mitgefahren, das sehr nach Diesel roch und in dem auf dem Beifahrersitz ein voller 50L Kanister stand. Ich war sehr eingequetscht und war froh, dass meine Beine nicht abgestorben sind.
Ein paar Polizeikontrollpunkte gab es natürlich. Wobei „ein paar“ untertrieben ist. An den Zufahrtsstraßen jeder großen Stadt gab es welche. Aber oft war es denen egal, dass ein Ausländer im Auto saß. Und wenn sie meinen Pass sehen wollte, zeigte ich immer eine Kopie – es gab nie Probleme.
In Saravan machte ich auch Couchsurfing bei coolen Leute, erkundete die Stadt aber alleine. Wobei ich sagen muss, es gab nicht viel zu sehen. Aber in der ganzen 5 Stunden am Vormittag, an denen ich herumlief, wurde ich nur von neugierigen Schulkindern belagert. Als es dunkel war, so gegen 18.30Uhr, lief ich für 30 Minuten auch noch einmal ein wenig umher, aber es war nicht mehr viel los.
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Zu den Bildern Teil 2
Am nächsten Tag, also am Sonntag (29.11), wollte ich dann die 460km nach Pasabandar, dem Ort, der am weitesten von Teheran (~1900 km) entfernt ist, trampen. Ich trug meine Belutschen-Klamotten, allerdings stellte sich das Trampen als ein bisschen schwierig heraus. Aber Schwierigkeiten bringen ja nur neue Erfahrungen hervor, so konnte ich das erste Mal mit einem Motorrad mittrampen – bis zum Polizei-Checkpoint. Dort lief aber alles ganz entspannt ab – ich musste nicht einmal meine Passkopie zeigen. Wir schwätzten ein bisschen, ich erzählte ihnen, ich wolle nicht Bus fahren, weil ich lieber mit den Fahrern mein Persisch verbessern wolle, und die Polizisten hielten dann für mich ein Auto an, dass mich die Hälfte der Strecke bis Sarbaz mitnahm.
Dort wollte ich dann den Bus nehmen, der kam aber ewig nicht, sodass ich die Straße entlang lief. Dann kam er natürlich, hielt auf mein Winken aber nicht an. Es wurde später und später und ich fand niemanden, der mich mitnahm. So freute ich mich schon auf die Nacht im Zelt und war auf der Suche nach einem geeigneten abgelegenen Plätzchen, als ein Belutsche mich überredete, zu ihm in sein Dorf zu kommen und dort zu pennen. Der junge Mann hieß Jaseme, war 27 und hatte einen Sohn.
Der Sternenhimmel war unglaublich hell, die Toilette auf dem Hof, es wurde gefühlt das ganze Dorf zum Abendessen -es wurde mit den Händen gespeist- eingeladen und die Frau bekam ich nie zu Gesicht. Es war eine neugierige und interessante Runde im konservativen Haushalt. Das schwierigste war immer, daran zu denken, die unreine linke Hand nicht zu essen zu nutzen.
Ein Gast war Mitarbeiter im medizinischen Zentrum im Nachbardorf. Auch wenn Sistan-Belutschestan wie schon erwähnt von der Zentralregierung in Teheran nicht viel Bedeutung zugemessen wird, die medizinische Versorgung wird hervorragend sichergestellt. So hat sich die Zahl der Malariererkrankungen auf der iranischen Seite von Belutschestan dramatisch reduziert und beträgt noch ca. 5 Fälle pro Jahr. Auf der pakistanischen Seite soll die Situation jedoch weiterhin prekär sein.
Am nächsten Morgen ging’s nach dem Frühstück direkt wieder zur Hauptstraße, der angehaltene Bus nahm mich jedoch aus unerfindlichen Gründen nicht mir und um die Sache hier ein bisschen abzukürzen, legte ich die nächsten 200km für faire 100’000 Rial (2,60EUR) zurück. Von dort trampte ich dann nach Pasabandar, nur 5 Fahrminuten von Pakistan weg. Ich kam während des Sonnenuntergangs an, lief Fotos schießend ein bisschen herum und hatte dann Glück von denselben LKW-Fahrern mit nach Tschabahar genommen. Dort brachten sie mich noch zum Busbahnhof, denn ich wollte mit dem Nachtbus nach Bandar Abbas fahren. Doch auch dieser Plan ließ sich nicht realisieren, da mir mitgeteilt wurde, der nächste Bus würde am folgenden Morgen fahren. Daraufhin sprach ich einen LKW-Fahrer an, der vor dem Bahnhof stand, ob er fahren würde. Er tat es nicht, allerdings durfte ich die Nacht auf der Ladefläche verbringen.
Am Dienstag (1.11) konnte ich mich dann endlich auf den Weg nach Bandar machen. Allerdings gezwungenermaßen wieder per Anhalter, weil plötzlich doch kein Bus mehr fuhr. Da zwischen Chabahar und Bandar Abbas keine wichtigen Städte liegen, konnte ich mir wenigstens gewiss sein, dass ein LKW mich die ganzen 700km mitnehmen würde. Und nach einigem Warten geschah das dann auch. Die beiden Fahrer waren auch Kurdestan und zum Glück fuhr der ältere von beiden 10 Stunden durch, sonst wäre ich an dem Abend vermutlich nicht auf Qeschm angekommen.
Auf Qeschm besuchte ich eine Annielie, die ich im Dehkhoda kennengelernt hatte. Sie hat mir ihrem iranischen Mann ein Restaurant auf der Insel (Shabhaye Talai – Golden Nights) und es war wirklich sehr cool, sie wieder zu sehen.
Als ich am Donnerstag (3.12) dann mit dem Zug von Bandar Abbas nach Teheran fuhr, trug ich meine Belutschen-Klamotten und erregte beim Abschluss-Fotoshooting mit Annelie Aufmerksamkeit, denn die roten Haare kombiniert mit den Klamotten, die auch von Afghanen getragen werden, sorgte überall für große Verwirrung. Am Bahnhof wurde ich dann laut, als ein Polizist bei der Körperkontrolle auch dort abtastete, wo es für Männer tabu ist.

Zurück in Teheran war ich von der hohen Polizeipräsenz mit Maschinengewehren überrascht. Während ich unterwegs war, hatte der „Islamische Staat“ Terroranschläge in Teheran angekündigt, also wurden zur Erhöhung der subjektiven Sicherheit der Bevölkerung Polizisten oder Soldaten an jeden Metrostationen postiert und ich natürlich immer zur Seite gebeten. Jetzt weiß ich wenigstens, wie sich die Muslime bzw. Menschen mit offensichtlichem Migrationshintergrund in der Familie in unserer Gesellschaft nach Anschläge fühlen.
Abgesehen davon traf ich mich dann noch mit Freunden, erledigte ein paar Einkäufe im Basar während es schneite und zischte dann mit einem mulmigen Gefühl wieder zurück nach Berlin.
Vielen Dank!

Woche 21-22 – No problem? – Yes problem!

Wochen 21-22, 5.9 – 18.9

In der Woche ist wieder wenig passiert. Das Wochenende wollte ich dann endlich dazu nutzen, Bewerbungen zu schreiben.Am Mittwoch (9.9) war ich bei Freunden zu einer Geburtstagsfeier eingeladen.
Um 22.30Uhr nahm ich dann den Bus nach Hause. Er war extrem voll und das will schon war heißen für Teheraner Verhältnisse. Trotzdem quetschte ich mich noch hinein. Davor nahm ich noch war, dass ich eine Nachricht erhalten hatte – die konnte bis zum Aussteigen warten. Ich stieg also aus und wollte die Nachricht beantworten – nur war leider das Handy nicht mehr in meiner Tasche! Auch mein Portemonnaie hing halb aus meiner Tasche – da war wohl jemand gierig. Ich rannte also dem Bus hinterher, holte ihn aber nicht mehr ein. Polizisten, an denen ich vorbeirannte und denen ich mein Problem schilderte taten nichts, außer dämlich zu grinsen und zu fragen, wo ich herkam. Aber es war natürlich auch eine naive Annahme war, dass sie etwa den Bus verfolgen, anhalten und die Passagiere nach meinem Telefon absuchen (es war nur der Vibrationsalarm eingeschaltet) würden, nur, weil ein ein Ausländer behauptet, sein Handy sein dort geklaut worden. Selbst in Deutschland nicht möglich. Ich begab mich trotzdem zur Endhaltestelle, denn eventuell ist es mir ja nur aus der Tasche gefallen. Aber in den dortigen Bussen lag kein Handy. Die Polizei dort vor Ort war auch nicht hilfreich, ich musste mich an Verkehrspolizisten wenden. Diese waren hilfsbereiter und erklärten mir, ich müsse mich an den Polizeidistrikt wenden, in dem ich ausgestiegen bin, also am Enghelab Platz. Das hieß, ich musste wieder zurück. Mittlerweile war es schon 23.30Uhr. In dem kleinen Polizeihäuschen in Enghelab saß ein junger Soldat, der seinen Vorgesetzten informierte. Bis der dann kam verging bestimmt noch einmal eine dreiviertel Stunde. Ich bekam dann einen Zettel ausgehändigt, mit dem ich mich dann am nächsten Tag an die Polizeidienststelle wenden sollte. Ich hoffte, dass die Tür im Wohnheim offen war, denn ich hatte nun wirklich keine Lust wieder die Nacht draußen zu verbringen, aber zum Glück war sie offen.
Am nächsten Tag (Donnerstag) begab ich mich dann also zur Polizei, musste einen Wisch unterschreiben und sollte dann mit einer Kopie der Rechnung etc wiederkommen. Ich war froh, Farsi sprechen zu können, denn keiner konnte Englisch…
Den übrigen Tag verbrachte ich bei Zari und als ich am Abend zurückkehrte, kaufte ich mir ein neues Telefon, SIM-Karten hatte ich ja noch genug und die Kontakte hatte ich auch gespeichert. Von daher habe ich eigentlich wirklich nur Geld verloren, aber für 57€ habe ich dann ein gebrauchtes HTC Desire 310 mit 16GB Speicherkarte bekommen – kein schlechter Deal.
Am Freitag (11.9) richtete ich dann das Telefon weiter ein, traf mich mit Zhihui und ging am Abend mit meinen Mitbewohnern und ein paar anderen in ein Café.
Das Verfolgen des Busses im Sprinttempo, verbunden mit der dazugehörigen Atmung, sorgte für die nächste Woche für erhebliche Hustenanfälle.

Am Samstag kaufte ich dann wieder Internet und Gesprächsguthaben. Leider nahm ich auch eine Softwareänderung vor, die schief ging, sodass mein Telefon nicht mehr anging – das lief ja alles spitzenmäßig. Am Sonntag ging ich also wieder bis zum Abend zu Zari und um 2.30Uhr am Montagmorgen hatte ich das Telefon wieder betriebsbereit gemacht.
Das war gut, denn so konnte ich mich am Dienstagabend (15.9) zur Eröffnung einer Kunstausstellung im Museum für Zeitgenössische Kunst verabreden.
Das folgende Wochenende (17. und 18.9) war dann endlich mal einigermaßen ruhig. Am Donnerstag ging ich zu Freunden einer Bekannten und am Freitag lernte für die Zwischenprüfung.


Ich möchte auch noch etwas zum Nahverkehr des Nachts sagen. In Teheran gibt es fünf Metrolinien und sechs Schnellbuslinien (BRT – Bus Rapid Transport). Die Metro verkehrt von ca. 5.30Uhr bis 22.30Uhr, die BRT-Linien aber Gott sei Dank 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Das BRT-Netzwerk deckt einen Großteil Teherans ab. Dadurch kann man sehr gut auf eine Taxifahrt verzichten. Ein weiterer dicker Pluspunkt ist, dass die Busse nachts noch sehr regelmäßig fahren. So musste ich nie länger als 10 Minuten warten!

BRT-Liniennetz (Stand September 2015)
Metro Liniennetz

Woche 13 – In der Wüste

Sogleich zu den Fotos

Tag 90, 16.5, Samstag

Nachdem ich das Wochenende zur Entspannung nutzte, machte ich mich am Samstagmorgen gespannt zu meiner Wüstentour auf (Route: ).
Als die Idee war auch maßgeblich von Frisco beeinflusst, der nach dieser Woche wieder zurück nach Sardinien fliegen würde. Mit ihm wollte ich mich in Garmeh, einem kleinen Oasendorf, treffen. Mein Plan sah vor, am Samstag nach Naein zu trampen und dort etwas abseits der Stadt die Nacht zu verbringen.
Von Teheran bin ich bis Qom getrampt und wurde dann mit Ali Reza und seinem Sohn im LKW bis Naein mitgenommen und auch zum Mittagspicknick eingeladen.
In Naein kam ich dann vor Sonnenuntergang an, sodass ich beschloss, einfach zu versuchen bis Garmeh bzw. Khoor zu kommen. Während ich durch die Stadt lief, kaufte ich noch ein bisschen Brot und wurde dann bis Anarak mitgenommen. Mittlerweile war es dunkel, doch als ich die Straße entlang lief, hielt ein LKW-Fahrer und nahm mich bis nach Khoor mit, wo ich 23.30 Uhr ankam. Ich lief dann eine Weile unter dem wunderbaren Sternenhimmel Richtung Garmeh und wurde schließlich von Studenten bis Garmeh gefahren. Sie konnten nicht glauben, dass ich in außerhalb des Dorfes mein Zelt aufschlagen wollte: Es würde jemand kommen, um mich umzubringen, Kamele würden mich tot treten oder was würde ich machen, wenn eine Schlange käme? Also sagten sie mir, ich solle in einem kleinen Gebetsraum schlafen. Nachdem sie dann gefahren waren, lief ich natürlich aus dem Dorf und schlug meinen Zelt hinter einem Hügel, von Blicken geschützt, auf.

Tage 91-92, 17.5-18.5, Sonntag-Montag

Am nächsten Morgen traf ich mich mit Frisco und wir liefen ein bisschen im und um das Dorf herum. So gingen wir der Wasserstelle, die die umliegenden Felder versorgte und wahrscheinlich auch die Wasserversorgung des Dorfes. Dort tummelten sich viele Putzerfische, die sich sogleich meinen Füßen widmeten.
Mittags gönnte ich mir dann das doch ziemlich teure Buffet im Hostel von Frisco. Danach begaben wir uns in die Umgebung, um ein anderes Dorf zu besichtigen. Das Dorf selber war schwer zu finden und nicht besonders schön. Dafür war der Weg dorthin die Mühe wert. In der Dämmerung waren wir wieder im Dorf. Während Frisco zu Abend aß, baute ich mein Zelt an der Wasserstelle auf und entfachte ein Feuer. Eigentlich wollten wir dann mit anderen Hostelgästen in ein Café gehen, aber das hatte geschlossen. Also gingen wir zu meinem Schlafplatz und unterhielten uns bis Mitternacht ein bisschen am Feuer. Zweimal streunten zwielichtige Typen herum, aber als ich mich dann schlafen gelegt hatte, kamen sie scheinbar nicht noch einmal vorbei.
Den nächsten Tag ließ ich ruhig angehen. Ich stand spät auf und trampte Mittags mit Frisco nach Khoor. Dort aßen wir Mittag und gegen 16Uhr brach ich dann alleine nach Tabas auf. Wieder nahm mich das erste Fahrzeug, ein LKW, mit. Dieser Teil der Route ist der Hauptverkehrsweg von Esfahan nach Maschhad, sodass zu jeder Zeit Fahrzeuge unterwegs sind.
In Tabas wollte ich den Schah Abbasi Staudamm besichtigen. Er war allerdings von dem Punkt, an dem ich abgesetzt wurde, ca. 20km entfernt und langsam dämmerte es schon. Also suchte ich mir etwas abseits eine alte Zisterne und schlug dort mein Nachtlager auf.

Tag 93, 19.5, Dienstag

Ich stand ziemlich früh auf und wurde von einem Lehrer in die Nähe des Damms gefahren. Dort stand ein deutscher VW-Bus, allerdings schliefen die Insassen wohl noch. Um zum Damm zu gelangen, muss man ungefähr 40 Minuten einem kleinen Fluss durch einen Canyon folgen.
Das Wasser war (leider) erstaunlich warm und der Fluss war auch nicht besonders tief. Irgendwann beschloss ich, meinen Rucksack abzulegen – es war Dienstagmorgen um 8.30 Uhr, wer sollte den klauen?? – und ohne die Last weiter zulaufen. Später wurde das Wasser ein bisschen tiefer und man konnte auch nicht mehr am Rand auf dem Trockenen laufen, sodass ich meine Hosenbeine entfernte und mit Shorts durch das Wasser lief – ein klarer Verstoß gegen die Kleidervorschrift der Islamischen Republik, aber es war ja niemand sonst unterwegs.
Der Damm taucht dann plötzlich hinter einer zwei Meter hohen Art Steinbarrikade auf und bietet eine beeindruckende Erscheinung.
Als ich wieder zurückkam, traf ich auf die beiden Deutschen. Sie sind nach Indien gefahren und waren jetzt wieder auf dem Rückweg. Sie brachten mich dann auch nach Tabas. Von dort wollte ich nordwärts und dann die Straße 36 am Rande der Wüste durch einen Nationalpark entlang.
Leider war an der entscheidenden Kreuzung ein Polizei-Kontrollpunkt. Das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn die wenigen Autos, die in meine gewünschte Richtung fuhren, mich mitgenommen hätten. Aber vielleicht waren Sie durch die Polizeipräsenz eingeschüchtert, jedenfalls glotzten sie immer nur.
Der Kontrollpunkt war im Prinzip ein abgezäuntes Gelände mit kleinem Häuschen direkt an der Straße, einem weiteren Gebäude und einem Wohnwagen. In dem Häuschen direkt an der Straße saßen ein junger Polizist und ein Soldat. Nach knapp einer Stunde pfiffen sie mich heran, aber da ich kein Hund bin, wartete ich, bis sie direkt zu mir gelaufen kamen. Sie sahen sehr gelangweilt aus und der Polizist fragte nach meinem Pass. Ich wollte wissen warum, aber er zeigte nur auf seine Kleidung und den Aufnäher „POLICE“. Mir blieb also nichts übrig, als ihm den Pass auszuhändigen und sprach mit denen dann nur noch Englisch.
Zweieinhalb Stunden später wurde mir der Pass zurückgegeben. In der Zwischenzeit wurde sein Boss gerufen, eine weitere Verkehrspolizei kam an und holte per Zufallsprinzip LKWs aus dem Verkehr und konfrontierte sie mit imaginären Verstößen, um ordentlich Schmiergeld zu kassieren. Der dafür verantwortliche Polizist war ein richtig abstoßendes Arschloch, das muss leider so gesagt werden. Generell benahmen sich die Beamten sehr überheblich allen, auch mir, gegenüber. Irgendwann kamen dann auch zwei individuell reisende Dänen an der Kreuzung vorbei, die ebenfalls angehalten wurden. Nachdem deren Pass überprüft wurde, konnte ich dann auch weiterreisen; allerdings war es dann schon ziemlich spät. Ich musste übrigens kein Schmiergeld zahlen und hätte es auch nicht getan. Diesen Triumph hätte ich denen nicht gegeben.
Ich musste meine Reiseroute ändern und anstatt der kleinen Straße, die Schnellstraße weiter nördlich nehmen. Ein von der Polizei angehaltener LKW musste mich dann in die nächste Stadt (Bardaskan) nehmen. Dort legte er einen Tankstopp ein und ich entschied, neben der Moschee der Raststätte zu zelten – was erlaubt ist. Den Abend verbrachte ich mit Lesen.

Tag 94, 20.5, Mittwoch

Ich wollte bis Semnan trampen, wo ich Couchsurfing machen wollte. Ursprünglich wollte ich schon am Vortag ankommen, aber das hatte sich ja erledigt. Von Bardaskan ging es nach Sabzevar, wo mich ein LKW mitnahm, dessen Fahrer mich für einen Türken hielt. Anfangs fuhr er ziemlich flott, doch später nur noch um die 40km/h. Sodass ich ihm dann mit schlechtem Gewissen um 15Uhr, als er seine Mittagspause machte, eröffnete, ich kann nicht essen, sondern muss weitertrampen, da meine Freunde mich eigentlich gegen Nachmittag erwarteten. Ich tat mich wirklich schwer, aber die Entscheidung war richtig, denn 2,5 Stunden später war ich in Semnan. Obwohl ich 25km vorher schon dachte, es würde doch später werden, denn ein Hinterreifen des Autos platzte. Doch zum Glück hatte der Fahrer einen Ersatzreifen und 15 Minuten später fuhren wir weiter.
Meine Couchsurfinggastgeber waren ein iranisches Pärchen, das sehr nett war. Der Mann, E., holte mich ab, konnte aber kaum Englisch sprechen, sodass ich mich mit ihm auf Farsi unterhielt. Seine Frau, A., sprach jedoch Englisch und die beiden hatten für ein paar Wochen einen Deutschkurs besucht. Es war nett, nach fast vier Tagen wieder Englisch sprechen zu können.
Da die Fahrer nämlich alle nur Farsi konnten, blieb mir nichts anderes übrig, als mich durchzukämpfen. Ich hoffe, es hat mir etwas gebracht, denn die Gesprächsthemen waren simpel und meistens unterhielt ich mich mit den Fahrern über dasselbe.

Tage 95-96, 21.5-22.5, Donnerstag-Freitag

Am Donnerstag fuhren E. und A. nach Teheran und nahmen mich mit. Das restliche Wochenende erholte mich und tat nichts.


Woche 6 – Teil 1/1 – Bis bald, Teheran

Tag 40, 1.3, Sonntag

Was ich die Tage davor gemacht habe, ich habe keine Ahnung mehr.
Am Sonntag traf ich mich mit Roman und einer Bekannten von ihm an der Uni Teheran und später gingen wir noch Essen und eine interessante Fotoausstellung besuchen.

Tag 41, 2.3, Montag

Es gibt einen Bus vom internationalen Flughafen Teheran in die Stadt, von dem nur kaum jemand Bescheid weiß und die Infos aus dem Internet zu spärlich vorhanden sind.
Ich hatte auch kein Glück. Der Bus soll zum Azadi Busbahnhof fahren, dort hatte aber niemand eine Ahnung beziehungsweise sagte mir, ich solle ein Taxi nehmen.
Dann traf mich mit Zhihui am Turm und wir fuhren hinauf. Man hat einen tollen Blick von dort oben, auf die Stadt. Nach Falafel und Versteckspiel vor nervigen iranischen Jugendlichen, liefen wir zum Lokalflughafen, da dort die Endhaltestelle des Busses sein sollte. Doch auch dort wusste niemand etwas über diesen mysteriösen Bus.

Tag 42, 3.3, Dienstag

Ich traf mich wieder mit Roman und Maryam. Wir haben nach dem Unterricht am Tajrish gepicknickt und sind dann ein bisschen durch Buchläden gestromert und haben Kaffee getrunken. Dabei haben wir auf der Vali-e Asr Allee eine perverse Situation erlebt: Eine Frau, die in beiden Händen eine Einkaufstasche hatte, rannte die Straße entlang, um den Bus zu bekommen. Dabei rutschte ihr Kopftuch herunter und anstatt einfach weiterzulaufen, blieb sie stehen und bat Maryam, das Tuch wieder zurecht zu rücken.
Als wir dann denn Kaffee auf dem Bordstein schlürften, wurden wir von einem Sicherheitsbediensteten gedrängt, woanders hinzugehen.

Tag 43, 4.3, Mittwoch

Es war der letzte Schultag und es stand die Prüfung an, die aber einfach war.
Abends bin ich dann zum Busbahnhof und nach Esfahan gefahren.

Tag 44-45, 5.3-6.3, Donnerstag-Freitag

Als ich in Esfahan angekommen bin, lief ich erst einmal zum Hostel, in dem ich vor 4 Jahren schon untergekommen bin. Es schien sich nichts geändert zu haben. Ich glaube, ich habe im selben Raum und im selben Bett geschlafen; es war jedenfalls sehr durchgelegen. Nur die Gäste scheinen sich geändert zu haben. Vor 4 Jahren saßen die Backpacker abends jedenfalls noch nicht mit ihren Macbooks auf den Betten rum.
Ich musste mich für zwei Stunden auf’s Ohr legen, da die Fahrt nur 6 Stunden dauerte und Schlafen im Bus für mich kaum möglich ist.
Danach traf ich mich mit Shirin, einer Freundin von vor 4 Jahren, sowie zwei deutschen Touristen, Uli und Paul, und wir liefen ein bisschen durch Esfahan. Es war wirklich wunderbar, aus Teheran entkommen zu sein und eine so kleine Stadt zu besuchen. Abends ging ich dann noch 33sten-Brücke (si-o-se pol), um zu entspannen und Fotos zu schießen.
Für den nächsten Tag war ein morgendliches Picknick in den Bergen angedacht, daraus wurde aber nichts, da eine Freundin von Shirin, I., mit der wir uns treffen wollten, von der Sittenpolizei aufgegeriffen wurde. Sie hätte wohl einen zu kurzen Mantel getragen, d.h. obwohl sie eine Jeans trug, bedeckte er nur knapp ihr Knie.
Shirin musste als Pfand ihren Personalausweis dortlassen und I. ein Formular ausfüllen, dass eine solche Nachlässigkeit nicht noch einmal vorkommen wird. Wir nahmen die Gondel auf den Berg und aßen dort Frühstück, spielten Billard und Tischfußball.
Während Shirin mit Paul wieder mit der Gondel herunterfuhr, liefen wir anderen – die Gruppe wurde um zwei Personen erweitert – zu Fuß herunter und dann wieder zum zentralen Imam-Platz. Dort sahen sich Uli und Paul mit Shirin noch weitere Sehenswürdigkeiten an, während I. und ich draußen warteten und Umfragen von jungen Studentinnen ausfüllten, die bei meiner Antwort, ich sei single, kicherten – willkommen im Alltag eines Ausländers im Iran. Wobei das ja noch der angenehme Teil ist. Anschließend kamen zwei Männer auf uns zu und fragten, wo wir her seien. Wir erwiderten ein Ehepaar aus Montenegro zu sein. Die beiden kannten Montenegro natürlich nicht und zogen zum Glück schnell ohne Generve wieder ab.
Abends fuhr ich wieder zurück nach Teheran.

Tag 46, 7.3, Samstag

Ich hatte nur kurz Zeit, Schlaf aufzuholen, weil ich um 11Uhr verabredet war. Das Mädchen (L.) trafen Zhihui und ich am Flughafen und ein paar Tage später fragte sie Zhihui nach meiner Nummer.
Es wurde eine merkwürdige Verabredung. Wir trafen uns Enghelab, welches im Zentrum und ungefähr 1.5h von Velenjak weg ist. Wir gingen für ihren Französischkurs Bücher kaufen, in ein Kaffee und sie lud mich ein, das Neujahrsfest (Noruz) mit ihr und ihrer Familie in ihre Heimatstadt zu verbringen, weil sie sich sonst langweilen würde. Dann aßen wir Süßigkeiten im Park und anschließend fuhren wir durch die ganze Stadt zum Bazar auf dem Tajrish, um für meine Eltern Sachen zu kaufen. Das Ganze, was auch immer es war, 8 Stunden. Bevor wir uns dann an der Metrostation verabschiedeten, stellte ich klar, dass für mich das trotz des merkwürdigen Characters, nur freundschaftlich gewesen sei und ich nicht mehr wolle. Daraufhin regierte sie verschnupft.
Aber da im Iran zwischen unverheirateten Beziehungen eher illegal ist, geht die Kultur des Ausgehens und Flirtens weit über der in Europa hinaus.

Tag 47, 8.3, Sonntag

Mein vorerst letzter Tag im Iran, ich packte die Sachen und verabschiedete mich von Roman und Arne und begab mich dann um 21 Uhr zum Flughafen, wo mein Flug am 9.3. um 5 Uhr ging. Um 2.30 rief mich noch einmal L. an…