Woche 23, 19.9 – 25.9

Endlich mal eine grandiose Woche!!! Ich bin auf zwei Hochzeiten eingeladen worden, von denen die erste gleich am Samstag stattfand. Nach der Schule ging ich also schlafen, schlüpfte dann in mein Sakko und begab mich mit der Metro in die Nähe von Karaj. Dort holte mich E., der Mann von A., ab, bei denen ich während meiner Wüstentour übernachtet hatte und mit denen ich mich danach auch noch einige Male getroffen hatte. Ich muss zugeben, ich war ziemlich aufgeregt, denn ich glaube, dass war erst meine zweite Hochzeit insgesamt und ich hatte schon viele von Hochzeiten im Iran schwärmen hören. Es heiratete die Schwester von A.
Ich kam an und der Saal war zweigeteilt: Ein Bereich für die Frauen, zu dem ich logischerweise keinen Zutritt hatte und dann der Bereich der Männer. Bis zum Abendessen wurde ein bisschen getanzt und ich muss wirklich meinen Hut vor den Perser ziehen – tanzen können sie, aber wie. Aber es hieß sich nicht einschüchtern zu lassen und einfach mit zu zappeln.
Eine Tradition ist, den Bräutigam (oder das Brautpaar) mit Geld zu bewerfen. Gut, dass das Papiergeld im Iran so wenig wert ist. So wurden 10.000 (25 Cent), 20.000 und selten 50.000 Rial-Scheine durch die Luft gewirbelt (siehe Video am Anfang). In Deutschland oder anderswo würde man sehr schnell arm werden oder mit Münzen werfen müssen, was dann allerdings zu unschönen blauen Flecken führen würde. Wer das Geld aufhebt heiratet als nächstes, doch meistens wuselten die kleinen Kinder herum und sammelten das Geld ein.
Nach dem vorzüglichen Abendessen tanzten dann Frauen und Männer gemeinsam und die Hochzeitstorte wurde angeschnitten. Leider war irgendwie schnell die Luft raus und wir sind kurz vor Mitternacht gegangen. Trotzdem tat das dem Erlebnis keinen Abbruch.
Die nächste Feier sollte am Dienstag stattfinden. In der Zwischenzeit wurde am Vali-e Asr Platz, wo ich immer aussteige, wenn ich Bus fahre, dem Iran-Irak-Krieg gedacht: Es waren Waffen, wie Mörser oder AKs ausgestellt, Kleidung von Soldaten und Plakate mit Statistiken und „Fakten“.
Die Party am Dienstag (22.9) fand auch in Karaj statt. Diesmal ging ich nicht mit E. und A. sondern mit M., mit der ich auch schon im Museum für Temporäre Kunst in der Vorwoche war. Eine Arbeitskollegin von ihr heiratete und da es im Iran anscheinend nicht üblich ist, alleine – als Frau oder Mann – auf eine Hochzeit zu gehen, nahm sich mich halt mit. Diesmal war die Feier von Anfang an gemischt und es wirkte alles auch ein bisschen förmlicher und reicher, so wurden beim Werfen der Geldscheine eigentlich nur 50.000-Scheine geworfen – zwei bekam ich auch ab. Vor dem Abendessen gab es ein paar Häppchen und mit Freunden von M. gingen wir dann auch kurz raus, um, wie es die Iraner nun einmal gerne tun, Fotos zu machen und Wasserpfeife zu rauchen.
Wie bei der ersten Hochzeit war das Essen wieder extrem lecker und dann wurde die Tanzfläche gerockt. Diese Hochzeit ging ein bisschen länger als die erste, sodass mehr Zeit zum Tanzen war. Zu guter Letzt wollten dann alle noch mit dem Brautpaar ein Foto haben. Es dauerte bestimmt schon eine Stunde und das Brautpaar sah mittlerweile schon ziemlich mitgenommen aus.
Das Wochenende war dann ein bisschen ruhiger. Ich traf mich abermals mit M. und mit Mahsa, die für ein Reisebüro arbeitet und mir angeboten hat, ich könne doch ein paar Texte ins Englische übersetzen (dem ich inzwischen auch zugestimmt habe und somit meinen ersten kleinen Job hier habe).
Ich habe nicht viel Schlaf bekommen, diesen meist nach der Schule auf dem Dach, aber das hat sich definitiv gelohnt!

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