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Woche 10


Tage 68-72, 25.4-29.4

Diese Woche war ein bisschen ereignisreicher als die vorherige. Unter der Woche ist nicht viel passiert. Jedoch habe ich seit Sonntag Internet, dass eigentlich richtig gut ist. Die zweite SIM-Karte ist vom größten Anbieter MTN-Irancell und meine Mitbewohner Frisco und Yang erzielen damit beim Download exzellente Geschwindigkeiten von bis zu 1 Mbit/s (DSL 8000). 50 Gigabyte für 3 Monate kosten genauso viel (~22EUR) wie 6 Monate mit 9GB bei 128kbit/s (DSL 1000) meinem alten Anbieter Rightel, also habe ich mir das Paket auch gekauft.
Aber am Mittwoch (29.4) waren Frisco und ich bei Joo Yang, unserem koreanischen Klassenkameraden zum Essen und Trinken eingeladen. Er ist im Auftrag von Samsung im Iran, „muss“ scheinbar vollem Gehalt plus Auslandszulagen aber nur die Sprache lernen und hat daher ein sehr entspanntes Leben. Er hat eine eigene Wohnung, die doppelt so groß ist, wie unsere Apartment und in einer sehr gut situierten (aber langweiligen) Wohngegend liegt. Außerdem hat er sich ein Auto gemietet, das allerdings noch auf sich warten lässt.
Jedenfalls hat er super Essen gezaubert und später tranken wir dann in gemütlicher Runde zusammen mit einem Freund von Joo Yang und aßen Süßigkeiten. Am nächsten Tag wollten die beiden nach Esfahan fahren, daher sind wir um 00.30Uhr nach Hause gegangen – im wörtlichen Sinne. Denn ich hatte keine Lust, ein Taxi zu nehmen. Es waren 11 Kilometer von seiner Wohnung zu unserem Wohnheim und warum nicht einmal Teheran am Freitag – iranischer Freitag, also Mittwoch – Nacht erleben? Frisco war angeschlagener als ich und nicht wirklich von der Idee begeistert, aber alleine wollte er wohl auch nicht fahren.
Das Nachhauselaufen war traurig. Wir liefen die längste Straße im mittleren Osten (Vali-e Asr) gen Süden, doch außer am Anfang ein paar Familien im Park sowie ein paar Menschen, die den Gehweg reinigten, trafen wir nur eine einzige Person, die unterwegs war; das Leben tobte also.
Herzlich Willkommen im Iran, wo sich die Menschen nicht in ihre Häuser zurückziehen müssen, um Spaß zu haben, sondern am Abend vor dem Wochenende fröhlich durch die Straßen ziehen können!
Andererseits sind die Parks, selbst unter der Woche, meist bis 1Uhr gefüllt mit Menschen, die picknicken oder Volley- und Federball spielen.

Tag 73, 30.4, Donnerstag

Für den Donnerstag war ich in die Residenz des Deutschen Botschafters und Botschaftsmitarbeitern eingeladen. Es handelte sich um eine Veranstaltung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der mit meinem Aufenthalt hier allerdings rein gar nichts zu tun hat. Zum Glück kam Tobias noch mit, sonst hätte ich mich komplett fehlt am Platze gefühlt. Ich war zwar schon auf einigen offiziellen Veranstaltungen. Deren Rahmen war aber immer größer; hier wurde jeder persönlich vom Herrn Botschafter begrüßt.
Nach kleinen Einführungsrunden gab es dann Häppchen und Saft und es wurden in kleinen Runden geschätzt (Gruppenfoto). Um 7 war dann alles vorbei und wir fuhren wieder nach Hause.
Da der Samstag (2.5) ein Feiertag war, überlegte ich nach Esfahan zu fahren. Ich war allerdings ein bisschen erschöpft und machte die Entscheidung davon abhängig, ob Joo Yang, der mit Kumpels mit dem Auto nach Esfahan gefahren ist, für die Rückfahrt am Freitag noch Platz im Auto hatte, da ich nicht den Bus nach Teheran nehmen wollte. Es gab keinen Platz, also blieb ich in Teheran und genoss den Abend auf dem Dach.

Tag 74, 1.5, Freitag

Da ich nicht nach Esfahan gefahren bin, fuhr ich in den Westen der Stadt, nach Ekbatan zum Eram Park. Dort ist der Zoo von Teheran angesiedelt und ein Freizeitpark. Der Eintritt betrug 10.000 Rial und der Park war voller Familien, die grillten. Der Freizeitpark allerdings lag wie ausgestorben da. Keines der Fahrgeschäfte war in Betrieb, obwohl die Besitzer herumwuselten.
Lange hielt ich mich dort nicht auf. Im Prinzip machte ich einfach eine kleine Runde um den eingezäunten See und fuhr dann wieder zurück.

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Woche 9 – Teil 1/1


Tage 61-67, 18-24.4

Diese Woche war nicht wirklich spannend. Ich habe bei einem Routineeinkauf auf dem Tajrishbasar entdeckt, dass man dort kleine Küken erstehen kann: Gänse, Hühner und anderes Geflügeltier; Kostenpunkt: noch nicht einmal 2 EUR. Und diese kleinen Dinger sind so niedlich – abgesehen vom ununterbrochenen Lärm, der von ihnen verursacht wird. Leider können sich meine Mitbewohner nicht mit dem Gedanken anfreunden, im ausreichend Platz bietenden Wohnzimmer, eine kleine Hühnerfarm aufzumachen. Sie haben Angst vor dem Dreck und kleinem Getier, was durch die Küken angelockt werden könnte. Dabei würde die Wohnung keine Goldene Hausnummer bekommen und im Moment wimmelt es eh von extrem dreisten und wendigen Mücken, dass ein paar mehr Insekten nicht auffallen würden.
Daher muss die Farm wohl etwas warten. Zhihui war zwar nicht abgeneigt, aber da sie nicht bei uns wohnt, muss sie die Nebenwirkungen der Haltung auch nicht ertragen. Sie schlug vor, stattdessen kleine Häschen zu kaufen, die wohl um die 5 Euro kosten. Sie seien viel pflegeleichter. Nur leider legen sie keine Eier und Hühnern hätte man einfach die ganzen Essensreste zum Fraß geben können. Mal sehen, ob sich Zhihui wirklich einen Hasen zulegt. Lustig wäre es auf jeden Fall.


Hintergrundbild: Südlicher Ausblick vom Dach


Da es sonst nichts zu berichten gibt, kann ich ja wieder ein paar Einblicke in das Alltagsleben eines Rothaarigen im Iran geben.

Erst einmal will ich Erfahrungen von der Busfahrt von Kaschan nach Teheran, das wird bei anderen Übertagfahrten bestimmt genauso sein, schildern.

  • Nachdem der Bus den Busbahnhof verlassen hat, fuhr der Bus nicht einfach, wie in Deutschland üblich, bis nach Teheran durch, nein. Da Iraner die Angewohnheit haben, spät zu sein, ist der Bus auf den ersten Kilometern nach dem Verlassen des Busbahnhofs langsam gefahren und der ein Busbegleiter hat so ziemlich jeden Fußgänger angesprochen, ob er denn nach Teheran möchte. Erstaunlich viele Leute wurden so noch aufgesammelt. Und auch noch auf der Autobahn hielt der Bus ein paar Male auf der Standspur, um ein paar Dorfbewohner einzusammeln. Wie viel die Leute zahlen müssen, weiß ich natürlich nicht, aber mehr die anderen Reisenden wird es wohl nicht sein.
    In Teheran angekommen, kann es sein, dass der Busbahnhof ziemlich weit von der nächsten Metrostation entfernt ist – aber kein Problem, dann wird eben an einer Metrostation an der Strecke ein Halt organisiert.
  • Während die Fahrkenntnisse in der Teheraner Innenstadt zwar nicht-existent anmuten, sind sie es auf der Autobahn scheinbar wirklich. Freitags fahren die Teheranis alle wieder zurück in die Hauptstadt und entsprechend voll sind die Autobahnen. Die Busse dürfen nur die rechte und mittlere Spur nutzen. Aber wie in der Innenstadt auch, gibt es keine logische und vorausschauende Fahrweise. Die rechte Spur scheint mir einem Fluch belegt zu sein; nur vereinzelt fahren dort Autos, sodass die mittlere und linke Spur hoffnungslos überfüllt sind. Das Problem ist, dass dort Leute fahren, die eigentlich auf die rechte Spur oder sogar den Standstreifen gehören.
    Ich saß im Bus ganz vorne und konnte kein Auge zumachen, weil mich dieses Chaos so in seinen Bann zog. Die Iraner sind ja nicht dumm, aber bei solchen Überlandfahrten am Wochenendeende nehmen sie ihren Verstand wohl vor der Fahrt heraus. Der Busfahrer war gefühlt ständig am Autos aus dem Weg Hupen und Lichthupe Geben. Mindestens zweimal hätte es fast gekracht.

Dann zu der Auffälligkeit meines Aussehens.

  • Am Anfang mag es ja vielleicht noch ganz lustig sein, von vielen Leuten – besonders weiblichen – angeschaut und vor allem angesprochen zu werden und nach Fotos (meist von Frauen und Mädels) gefragt zu werden. Doch mit der Zeit wird das nur noch lästig. Es vergeht kaum eine Metrofahrt, bei der ich in Ruhe Musik hören oder Vokabeln lernen kann, ohne dass ich von irgendeinem männlichen Passagier angesprochen werde. Die Iraner sind natürlich neugierig, was so in der Außenwelt vorgeht und wieso ein Ausländer ihr Land/ihre Stadt besucht. Dass man täglich darauf angesprochen wird, kommt ihnen natürlich nicht in den Sinn. Selbst das Vortäuschen von nicht vorhandenen Englischkenntnissen interessiert sich kein bisschen. Und wenn einer mit mir ein Gespräch anfängt, klinken sich meist andere mit ein, sodass bis zur Endstation keine Ruhe ist. Die Fragen sind auch immer dieselben: Wo kommt man her, was macht man hier, wieso, wie ist der Iran (natürlich toll) und dann Dinge über die Sanktionen, Politik und Verwandte im Ausland, manchmal Höflichkeitseinladungen. Einige Male werden auch spontan die Verwandten in Deutschland oder Österreich angerufen und ich darf dann mit denen reden.
  • Als kleiner Vorteil erweist sich zu sagen, man käme aus Österreich. Das kennen viele nicht und es wird nicht mit Fußball oder – lustigerweise – Hitler in Verbindung gebracht. Natürlich ist es trotzdem bekannter als zum Beispiel Montenegro. Aber ich möchte nicht in die Situation kommen, dass mich irgendwann jemand auf Serbisch zuquatscht; wobei das wahrscheinlich nur darauf ankommt, wann die absolute Schmerzgrenze erreicht ist. Während Francesco für einen Iraner gehalten wird, kann ich, glaube ich, nichts tun, außer vielleicht meine Haare färben, doch das wird nicht passieren.
  • Die Schmerzgrenze wurde in dieser Woche eigentlich schon angekratzt. Ich wollte mich in den Lalehpark zum Lernen und Entspannen begeben. Doch daraus wurde natürlich nichts, denn nach zwei Minuten saßen zwei Soldaten neben mir, die, wie bei vielen iranischen Männern üblich, keinerlei Englischkenntnisse besaßen. Also laberten sich mich zu, jedenfalls der eine, dümmere von ihnen. Soweit ich mitbekommen habe, noch nicht einmal etwas Interessantes sondern meist vulgäres Zeugs. Für seine nicht vorhandene Selbstreflexion sprach folgender zusammengefasster Konversationsausschnitt:
    Er fragte mich, ob ich oft von Leute genervt oder belästigt würde. Lustig, dass die Frage nach bestimmt 15 Minuten kam, und ich offensichtlich meine Hausaufgaben und meinen PC offen rumliegen hatte und auch schon erwähnt hatte, mich eigentlich meinen Hausaufgaben widmen zu wollen. Jedenfalls bejahte ich diese Frage und er sagte mir, ich solle mir die Leute merken, er würde sich dann um deren Mütter „kümmern“….Dass er dann folglich bei seiner eigenen anfangen könne, behielt ich selbstverständlich für mich.
  • Dann zu der Telefonnummer. Die meisten Leute aus den Metro- oder Busgesprächen möchten selbstverständlich mit ihrem neuen besten Freund in Kontakt bleiben. Deshalb bietet es sich immer an, Block und Stift zur Hand zu haben, um die Daten aufzuschreiben. Auf jeden Fall versuche ich, bisher auch sehr erfolgreich, meine Nummer nicht herauszugeben. Mittlerweile habe ich auch eine zweite SIM-Karte, die dann notfalls für solche Fälle hinhalten kann.

Das alles mag vielleicht arrogant klingen, aber ich lebe mittlerweile hier, bin natürlich ein Auswärtiger, aber dennoch schließlich kein Tourist. Wenn ich mit jedem der 14 Millionen Einwohner auch nur 30 Sekunden reden würde, müsste ich mehr 13 Jahre hier verbringen. Dann könnte ich sicher perfekt Farsi, aber im Prinzip wäre mein Leben wohl gegessen und meine Telefonbuch platzen. Sicherlich erschließt sich das den Iranern nicht und ich kann sie auch (noch) nicht komplett ignorieren, aber als sehr höflich würde ich mein Auftreten in solchen Situationen nicht beschreiben. Das geht übrigens allen Studenten, die nach Ausländern aussehen, so.

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Woche 8 – Trampen im Iran – Teil 1/1


Tage 54-58, 11.-15.4, Samstag bis Mittwoch

Eine ganz normale Woche, mit Schule, Verabredungen, angequatsche in der Metro. An einem Tag bin ich im Laleh Park joggen gegangen und habe meine restlichen Sachen aus Velenjak abgeholt.
Für das Wochenende wollte ich ursprünglich nach Ardebil fahren, weil auf Grund eines Schulausflugs das Wochenende um einen Tag verlängert wurde. Der Ausflug wurde aber abgesagt und so verabredete ich mit I., dass wir uns in Kaschan treffen sollten. Sie empfahl mir, auch ein Bergdorf, Abyaneh, zu besichtigen. Ich beschloss, aus dieser Reise das erste Tramperlebnis im Iran zu machen.
Am Donnerstag würde ich nach Abyaneh trampen, dort irgendwo im Zelt übernachten und dann am Freitag nach Kaschan per Anhalter fahren und die Stadt mit I. besichtigen.
Zu den Fotos

Tag 59, 16.4, Donnerstag

Ich startete natürlich früh morgens und nahm als Verpflegung nichts weiter als eine Box Datteln (800g) und 2 Liter Wasser mit. Um Viertel nach neun war es dann soweit. Ich hielt mein Schild mit کاشان (Kaschan) raus. Es dauerte auch nur ein paar Minuten, bis ich mitgenommen wurde. Davor hielt aber mindestens ein Auto und wollte Geld. Denn in Iran ist das Trampen unbekannt. Nur wenige Menschen ist diese Art des Reisens bekannt. Von daher fragte ich immer, ob es ein Problem sei, dass ich kein Geld hätte. Drei Mal, da erst dann klar wird, ob das Angebot nicht eine Höflichkeit des Fahrers war.
Der erste Fahrer war ein Anwalt aus Teheran auf dem Weg nach Arak, der mich in Qom rausließ. Jedoch nicht ohne Fotos, auf denen er lächerlich posierte und meine Telefonnummer wollte. Zum Glück hatte ich am Vortag noch eine zweite SIM-Karte besorgt und ihn so zufrieden stellen.
In Qom musste ich etwas länger warten. Erst stand ich neben einer kleinen Baustelle, auf der gearbeitet wurde. Natürlich hatten die Arbeiter keine Ahnung, was ich tat.
*“Ich mache Autostop.“
#“Was, du willst mit Bus [Autobus] fahren?“
*“Nein, mit dem Auto.“
#“Also mit dem Taxi.“
*“Nein, ohne Geld mit Auto. Das ist kein Problem. Das heißt Auto-stop.“
#“Doch mit dem Bus?“.
*“VERDAMMT NOCHMAL!!! NEIN!!!!!“
Es war wirklich sehr nervig. Zumal mein Mund von ganzen „Es ist kein Problem“-Gerede (Moschkele nist) trocken wurde und ich irgendwann „Choschgele nist“ (Er ist nicht schön) sagte, was die Leute noch mehr verwirrte. Nach einer halben Stunde, es hielten nur Leute an, die Geld wollten, lief ich zweihundert Meter weiter, wo ich ungestört war. Und keine fünf Minuten später hielt ein alter Mann mit einem jüngerem auf dem Beifahrersitz, die nach Kaschan fuhren.
Während der Fahrt tranken sie Kaffee und boten mir auch welchen an. Und der alte Mann konnte sogar Österreich zuordnen, wo ich herkam.
In Kaschan (auf meinem Schild stand mittlerweile Abyaneh/Natanz) hielt dann ein Auto mit drei alte Frauen, die mir allerdings nur mitteilen wollten, dass sie nach Kaschan fahren. Eine wollte unbedingt, dass ich trotzdem mitkomme, aber schließlich sind sie gefahren. Nach 10 Minuten hielt dann ein Fabrikbesitzer aus Esfahan, der für mich einen Umweg bis nach Abyaneh machte und mich zum Mittag einlud. Nach noch nicht einmal fünf Stunden war ich dort. Natürlich sagte ich ihm dreimal, er bräuchte es nicht tun, aber ich glaube, er bereute trotzdem seine Entscheidung, da das Essen für iranische Verhältnisse ziemlich teuer war (7EUR) und er eine Eintrittsgebühr für Abyaneh (1,40EUR) zahlen musste.
Ich konnte jedenfalls gestärkt durch das Dorf laufen, in dem es leider nur so von quakenden Teenager-Mädchen wimmelte. Die „Ureinwohner“ taten mir wirklich Leid, war das Dorf mittlerweile doch voll auf den Tourismus eingestellt, mit der Möglichkeit in traditionellen Kostümen zu posieren. Abseits der winzigen Hauptstraße, bot sich dann ein ursprünglicheres Bild. Frauen redeten miteinander, ein Hirte hütete an einem kleinen Abhang zwischen Häusern seine Schafe und man wurde freundlich begrüßt. Im Gegensatz zu den Teenagern, die sich wie die Aasgeier um Fotos rissen.
Um 17Uhr machte ich mich dann auf, einen Schlafplatz auszuwählen. Ein paar hundert Meter neben der Straße verläuft ein kleines Rinnsal, das für die Bewässerung von grünen Gärten mit Apfelbäumen genutzt wird. Auf Höhe des nächsten Dorfes fand ich dann auch einen geeigneten Platz und nachdem das Zelt aufgebaut war, konnte ich im Schlafsack liegen, dem Prasseln des eingesetzen Regens lauschen. Die Luft war so rein in Deutschland und es war herrlich. Ein Hauch von Sommerurlaub war zu spüren.
Zu den Fotos von Abyaneh

Tag 60, 17.4, Freitag

Um 6.30Uhr stand ich auf, das Zelt war getrocknet und die Sonne strahlte das noch schlafende Dorf Tareh an. Um acht Uhr, begann ich Richtung Kaschan zu laufen, zur selben Zeit, wie I. sich auch im Bus aufmachte. Nach einer Stunde laufen, hielt mit dem zweiten Auto ein Taxifahrer und nahm mich zum Busbahnhof in Kaschan, wo wir kurz vor zehn ankamen. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der Wiederaufbereitungsanlage von Natanz vorbei und in der Gegend standen mehrere Flakgeschütze herum.
Kurz nach halb elf traf dann auch I. ein und wir begaben uns in die Stadt. Ich hatte allerdings meinen Studentenausweis vergessen und hätte somit eigentlich den 10fach Touristenpreis zahlen müssen. Allerdings trat das Gegenteil ein. Ich erzählt jedem an der Kasse, dass ich meinen Ausweis vergessen hätte. So kam ich in den Fin-Garten kostenlos und in die folgenden zwei Museen I. kostenlos herein während ich den ermäßigten Preis zahlen durfte.
Da Freitag war, ist Kaschan nicht viel losgewesen; der Basar war wie ausgestorben und es herrschte eine entspannte Atmosphäre. Wir hatten einen schönen Tag und das Wochenende war gelungen.
Um 18Uhr fuhren wir dann wieder nach Esfahan bzw. Teheran zurück.
Zu den Fotos von Kaschan

Unter der Woche

Fotos von Abyaneh

Fotos von Kaschan

Woche 7 – Obdachlos in Teheran – Teil 2/2


Tag 49, 6.4, Montag

Es war der dritte Schultag und ich stand um 6 Uhr auf, um mit meinem Gepäck nicht die überfüllte Metro nehmen zu müssen.
Dort angekommen wurde ich sehr freundlich von der „Sekretärin“, die es versäumt hatte, mir eine Unterkunft zu besorgen begrüßt. Es war super, die alten Klassenkameraden wieder zu sehen.
Nach dem Unterricht ging ich dann wieder zur Sekretärin, um ein Zimmer zu organisieren. Mittlerweile hatten mit Tobias und Francesco, ein Sardinier aus dem ersten Kurs, dem ich Geld mitgebracht hatte, angeboten, zwischenzeitlich bei Ihnen unterzukommen.
Nachdem ich also eine Adresse in Enghelab von der Sekretärin erhielt, fuhr ich mit meinen Sachen und Francesco und Tobias, die auch dort wohnten, dorthin. Es stellte sich heraus, dass das Wohnheim wohl eine heruntergekommene Absteige ist, in der Francesco einen Monat lang hatte hausen müssen; zu zwölft in einem Kellerloch. Ich wollte aber nicht am nächsten Tag zur Sekretärin rennen und reklamieren, ohne die Wirklichkeit erlebt zu haben, daher ließ ich die wichtigsten Sachen, wie Geld und Notebook bei Francesco.
An dem Wohnheim angekommen, lag den Verantwortlichen wohl keine Information darüber vor, dass ich ein Zimmer bräuchte. Ein junger Student begleitete mich zur Administration, doch der Herr der Schlüssel hatte schon Feierabend gemacht und es war auch nicht sicher, ob er am nächsten Tag kommen würde. Also nahm mich der Student mit in seinen Aufenthaltsraum. Dort stellte sich heraus, dass er wohl zum regierungstreuen (die nicht-wählbare religiöse Regierung) Bevölkerungsteil gehört, was mir natürlich keine Freude bereitete. Am frühen Abend brachte er mich dann auf ein Zweibettzimmer, indem schon alle Betten belegt waren; ich durfte also wieder auf dem Boden schlafen. Anstatt danach noch mit ihm und seinen Freunden essen zu gehen, tat ich das lieber mit Zhihui, die nicht weit weg untergebracht war, sodass wenigstens der Abend ein bisschen gut war.
Vor dem Schlafengehen genoss ich dann die erste Dusche seit langem und versuchte so gut es ging zu schlafen.

Tag 50, 7.4, Dienstag

Ich verließ das Zimmer mit dem Anspruch, nicht wieder zu kommen. Ich konnte inzwischen auch die Jogginghose und das T-Shirt gegen Jeans und Hemd eintauschen.
In der Schule ging ich dann wieder zur Sekretärin. Sie sagte mir ich solle um 21Uhr den Verwalter der Wohnungen von Tobias und Francesco anrufen. Ich erwiderte, das ich nicht bis 21 Uhr mit meinen Sachen irgendwo herumstehen würde und kam ihr entgegen, dass ich bei einem Freund (Tobias) übernachten würde. Dort hatte ich wenigstens die Aussicht auf ein Bett nach vier Nächten auf dem mehr oder weniger blanken Fußboden.
Gesagt, getan. Um neun rief ich dann auch den Verwalter an und er sagte, es habe im Moment keine Übersicht und würde sich am folgenden Tag bei der Sekretärin melden….

Tag 51, 8.4, Mittwoch

Es war der letzte Tag der ersten Woche und ich war noch immer obdachlos. Um 15Uhr gab mir die Sekretärin dann die Adresse einer Pension, zu der ich gehen solle, weil sich der Verwalter noch nicht gemeldet hatte.
Doch bevor ich mich überhaupt in den Bus begeben konnte, rief sich wieder an und sagte in der Wohnungen von Francesco sei noch Bett frei. Das wunderte mich, denn er hatte mir gesagt, alle dort Wohnenden hätten ein Einzelzimmer.
Auch Francesco und seine Mitbewohner waren verwundert. Auf jeden Fall hatte ich jetzt eine Bleibe.

Tag 52, 9.4, Donnerstag

Ich schlief erst einmal aus.
Mein neues Zuhause ist in der Nähe des Enghelab-Platzes (Meydan-e Enghelab), wenige Minuten von der Metrostation entfernt und noch näher am großen Laleh Park. Wir können sogar auf das Dach, von dem man sogar den Damavand und ein Flugabwehrgeschütz sehen kann. Meine Mitbewohner sind Jack (ein Brite), Francesco und mein Zimmergenosse Yang aus Taiwan. Jeden Morgen fahren wir mit dem Taxi zur Schule – Kostenpunkt 30’000 Rial (80 Cent).
Am Nachmittag trafen wir uns mit anderen Leuten zum Gespräch in einem Café und später noch zum abendlichen Kebabessen.

Tag 53, 10.4, Freitag

Gegen Mittag trafen wir uns mit zwei Iranern vom Vortag und sie brachten uns ein paar Schimpfwörter bei. Und danach traf ich mich kurz mit Zhihui, um Hausaufgaben zu machen und draußen ein wenig herumzugammeln und das schöne Wetter zu genießen.

Zurück in Teheran – Woche 7 – Obdachlos in Teheran – Teil 1/2


Anreise

Auf Grund des Neujahrfestes waren die Flüge von Europa in den Iran Anfang April unglaublich teuer. Deshalb buchte ich eine Verbindung, bei der ich knappe 48h unterwegs war und zwei Tage nach Unterrichtsbeginn ankam.
Zuerst ging es am Karfreitag um 1Uhr morgens von Berlin-Schönefeld nach Istanbul Sabiha Gökcen. Ich wollte eine neuen Benzinkocher für meinen Sommertrip mitnehmen. Leider wurde er mir am Flughafen entwendet, obwohl es außerhalb Deutschlands niemanden mehr interessiert hätte.
Jedenfalls hatte ich in Istanbul 10 Stunden Aufenthalt (von 5Uhr bis 15Uhr), die ich hauptsächlich mit Schlafen zubrachte. Dann ging es mit Qatar Airways nach Doha, wo mein Aufenthalt 23 Stunden betrug. Leider bekam ich weder eine Unterkunft, noch Essen oder ein kostenloses Einreisevisum gestellt. Auch mein Gepäck, in dem ich Äpfel und Bananen hatte, konnte ich nicht holen.
Zum Glück hatte ich in „weiser“ Voraussicht genügend Schafskäsetaschen gebacken, sodass ich nicht verhungern musste.
Ich suchte sogleich den Ruheraum auf und legte mich auf dem Fußboden schlafen; so gut es irgend ging.
Am nächsten Morgen (Sonntag) begab ich mich an einen, zum Glück in ausreichender Anzahl vorhandenen, Arbeitsplätze mit Stromanschluss, um zu arbeiten. Internet gab es auch kostenlos, aber der Flughafen glich im Großen und Ganzen eher einem Luxuseinkaufszentrum. Vor vielen Geschäften standen Autos der gehobenen Preisklasse, die PCs, die zur Internetnutzung aufgestellt waren, trugen alle einen angebissenen Apfel als Logo und auch sonst glitzerte und blinkte es überall; es war also kaum ein Platz für einen Jogginghosen-tragenden Jungen.
Um 18Uhr war es dann soweit. Ich stieg in den Flieger und ließ mir, obwohl wir schon im iranischen Luftraum waren, einen doppelten Vodka servieren.

Tag 48, 5.4, Sonntag

Ich kam am Flughafen an und hatte keine Bleibe in Teheran. Ich hatte mein Zimmer in Velenjak für den Monat aufgegeben (warum sollte ich für ein leeres Zimmer zahlen) und darum um eine neue Unterkunft (ob Velenjak oder im Zentrum ist ja egal) gebeten. Es kam allerdings nie eine Mail. Zhihui hat es genauso gemacht, allerdings hat sie eine Unterkunft zugewiesen bekommen.
Da stand ich nun. Zum Glück hatte ich noch genügend Datenvolumen von meinem Handy, das Gesprächsguthaben hatte sich wie von Geisterhand aufgelöst, und so arrangierte mir I. über einen Freund, dass ich die Nacht bei seiner Tante unterkommen konnte. Da der Taxifahrer die Adresse sich aber verfuhr, kam ich erst um ein Uhr morgens bei der Tante an. Zum Glück hatte sie mir ein Bettlager errichtet, sodass ich diesmal zwar wieder auf dem Boden, aber wenigstens auf einer dünnen Matratze schlafen konnte.

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Woche 6 – Teil 1/1 – Bis bald, Teheran


Tag 40, 1.3, Sonntag

Was ich die Tage davor gemacht habe, ich habe keine Ahnung mehr.
Am Sonntag traf ich mich mit Roman und einer Bekannten von ihm an der Uni Teheran und später gingen wir noch Essen und eine interessante Fotoausstellung besuchen.

Tag 41, 2.3, Montag

Es gibt einen Bus vom internationalen Flughafen Teheran in die Stadt, von dem nur kaum jemand Bescheid weiß und die Infos aus dem Internet zu spärlich vorhanden sind.
Ich hatte auch kein Glück. Der Bus soll zum Azadi Busbahnhof fahren, dort hatte aber niemand eine Ahnung beziehungsweise sagte mir, ich solle ein Taxi nehmen.
Dann traf mich mit Zhihui am Turm und wir fuhren hinauf. Man hat einen tollen Blick von dort oben, auf die Stadt. Nach Falafel und Versteckspiel vor nervigen iranischen Jugendlichen, liefen wir zum Lokalflughafen, da dort die Endhaltestelle des Busses sein sollte. Doch auch dort wusste niemand etwas über diesen mysteriösen Bus.

Tag 42, 3.3, Dienstag

Ich traf mich wieder mit Roman und Maryam. Wir haben nach dem Unterricht am Tajrish gepicknickt und sind dann ein bisschen durch Buchläden gestromert und haben Kaffee getrunken. Dabei haben wir auf der Vali-e Asr Allee eine perverse Situation erlebt: Eine Frau, die in beiden Händen eine Einkaufstasche hatte, rannte die Straße entlang, um den Bus zu bekommen. Dabei rutschte ihr Kopftuch herunter und anstatt einfach weiterzulaufen, blieb sie stehen und bat Maryam, das Tuch wieder zurecht zu rücken.
Als wir dann denn Kaffee auf dem Bordstein schlürften, wurden wir von einem Sicherheitsbediensteten gedrängt, woanders hinzugehen.

Tag 43, 4.3, Mittwoch

Es war der letzte Schultag und es stand die Prüfung an, die aber einfach war.
Abends bin ich dann zum Busbahnhof und nach Esfahan gefahren.

Tag 44-45, 5.3-6.3, Donnerstag-Freitag

Als ich in Esfahan angekommen bin, lief ich erst einmal zum Hostel, in dem ich vor 4 Jahren schon untergekommen bin. Es schien sich nichts geändert zu haben. Ich glaube, ich habe im selben Raum und im selben Bett geschlafen; es war jedenfalls sehr durchgelegen. Nur die Gäste scheinen sich geändert zu haben. Vor 4 Jahren saßen die Backpacker abends jedenfalls noch nicht mit ihren Macbooks auf den Betten rum.
Ich musste mich für zwei Stunden auf’s Ohr legen, da die Fahrt nur 6 Stunden dauerte und Schlafen im Bus für mich kaum möglich ist.
Danach traf ich mich mit Shirin, einer Freundin von vor 4 Jahren, sowie zwei deutschen Touristen, Uli und Paul, und wir liefen ein bisschen durch Esfahan. Es war wirklich wunderbar, aus Teheran entkommen zu sein und eine so kleine Stadt zu besuchen. Abends ging ich dann noch 33sten-Brücke (si-o-se pol), um zu entspannen und Fotos zu schießen.
Für den nächsten Tag war ein morgendliches Picknick in den Bergen angedacht, daraus wurde aber nichts, da eine Freundin von Shirin, I., mit der wir uns treffen wollten, von der Sittenpolizei aufgegeriffen wurde. Sie hätte wohl einen zu kurzen Mantel getragen, d.h. obwohl sie eine Jeans trug, bedeckte er nur knapp ihr Knie.
Shirin musste als Pfand ihren Personalausweis dortlassen und I. ein Formular ausfüllen, dass eine solche Nachlässigkeit nicht noch einmal vorkommen wird. Wir nahmen die Gondel auf den Berg und aßen dort Frühstück, spielten Billard und Tischfußball.
Während Shirin mit Paul wieder mit der Gondel herunterfuhr, liefen wir anderen – die Gruppe wurde um zwei Personen erweitert – zu Fuß herunter und dann wieder zum zentralen Imam-Platz. Dort sahen sich Uli und Paul mit Shirin noch weitere Sehenswürdigkeiten an, während I. und ich draußen warteten und Umfragen von jungen Studentinnen ausfüllten, die bei meiner Antwort, ich sei single, kicherten – willkommen im Alltag eines Ausländers im Iran. Wobei das ja noch der angenehme Teil ist. Anschließend kamen zwei Männer auf uns zu und fragten, wo wir her seien. Wir erwiderten ein Ehepaar aus Montenegro zu sein. Die beiden kannten Montenegro natürlich nicht und zogen zum Glück schnell ohne Generve wieder ab.
Abends fuhr ich wieder zurück nach Teheran.

Tag 46, 7.3, Samstag

Ich hatte nur kurz Zeit, Schlaf aufzuholen, weil ich um 11Uhr verabredet war. Das Mädchen (L.) trafen Zhihui und ich am Flughafen und ein paar Tage später fragte sie Zhihui nach meiner Nummer.
Es wurde eine merkwürdige Verabredung. Wir trafen uns Enghelab, welches im Zentrum und ungefähr 1.5h von Velenjak weg ist. Wir gingen für ihren Französischkurs Bücher kaufen, in ein Kaffee und sie lud mich ein, das Neujahrsfest (Noruz) mit ihr und ihrer Familie in ihre Heimatstadt zu verbringen, weil sie sich sonst langweilen würde. Dann aßen wir Süßigkeiten im Park und anschließend fuhren wir durch die ganze Stadt zum Bazar auf dem Tajrish, um für meine Eltern Sachen zu kaufen. Das Ganze, was auch immer es war, 8 Stunden. Bevor wir uns dann an der Metrostation verabschiedeten, stellte ich klar, dass für mich das trotz des merkwürdigen Characters, nur freundschaftlich gewesen sei und ich nicht mehr wolle. Daraufhin regierte sie verschnupft.
Aber da im Iran zwischen unverheirateten Beziehungen eher illegal ist, geht die Kultur des Ausgehens und Flirtens weit über der in Europa hinaus.

Tag 47, 8.3, Sonntag

Mein vorerst letzter Tag im Iran, ich packte die Sachen und verabschiedete mich von Roman und Arne und begab mich dann um 21 Uhr zum Flughafen, wo mein Flug am 9.3. um 5 Uhr ging. Um 2.30 rief mich noch einmal L. an…

Woche 5 – Teil 1/1


Tag 32, 21.2, Samstag

Ich traf mich abends mit Zari und Saba im Café am ASP-Gebäude. Roman musste auch dorthin, also fuhren wir zusammen und ich kam eine Stunde zu spät. Danach sind Zari und Saba mit mir noch ein bisschen herumgefahren und beim Hören von Queens „The Show Must Go On“ (Die Show muss weitergehen) stellten wir fest, dass dieses Lied eigentlich die inoffizielle Hymne des Iran sein sollte.

Tag 33, 22.2, Sonntag

Roman, Tobias und ich sind ins Teppichmuseum gegangen. In der U-Bahn wurde ich dann das erste Mal auf Hitler angesprochen. Ein Junge aus Baluchestan, sagte, er möge Hitler bzw. Hitler sei wie ein Freund. Ich erwiderte, Hitler sei scheiße und ich möge ihn nicht. Das machte ihn sauer und als Tobias ihn auf Deutsch sagt, er möge die Klappe halten (in dem entsprechenden Ton), tat der Junge so, als ob er sich mit uns prügeln wolle.
Auf dem Weg ins Museum wurde Tobias fast von einem Motorrad-Räuber überfallen. Dieser stand einige Zeit auf seinem fahrbereiten Gefährt, was mich wunderte, und fuhr dann mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu. Erst dachten wir, er traf Tobias aus Versehen, aber er wollte sich wohl die Tasche krallen.
Das Museum wurde von unserem anderen Zimmerkollegen Arne als langweilig tituliert, war aber gar nicht so schlimm.
Beim Gehen fiel uns dann auf, dass zwei Tage später im Museum für Zeitgenössische Kunst Teheran Ausstellung eines gewissen Otto Piene eröffnet werden sollte. Tobias wollte sich die Vernissage nicht entgehen lassen und am nächsten Tag nach Details fragen.

Tag 35, 24.2, Dienstag

Es war der Tag der Otto-Piene Vernissage. Wir trafen uns dort um 17Uhr, Roman war jedoch verspätet. Wir hatten nichts gegessen, da wir auf ein kleines Bankett hofften. Stattdessen wurden gegenseitige Beweihräucherungsreden eines iranischen Kunstprofessors, eines Vizeministers, des deutschen Botschafters und des Chefs der Nationalgalerie dargeboten. Das Ganze ging geschlagene zwei Stunden.
Am Ende wurde dann noch musikalische Beiträge vorgetragen, was einigermaßen gut war.
Das Bankett bestand dann aus Wasserflaschen, Pulverkaffee und Gebäck – besser als gar nichts.
Während Tobias – er war im Anzug gekommen – von einer Frau angequatscht wurde, wie toll denn die Ausstellung sei und sich überschwänglich bei ihm bedankte (er hatte allerdings rein gar nichts mit der Organisation der Ausstellung zu tun), wurde ich von Kunststudenten porträtiert.

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Woche 4 – Teil 1/1


Tage 25-31, 14.2.-20.2.

Es ist nicht viel passiert diese Woche. Am Montag (16.2) fuhr ich zum Hauptbahnhof, um die Abfahrtszeiten nach Esfahan und Sari herauszubekommen und ob man die Tickets auch am Bahnhof kaufen kann; und man kann, wenn man denn am selben Tag fährt. Als ich aus der Metro stieg, begegnete mir ein rothaariger Mann (Ahmad) und ich kam nicht umhin, ihn nach einem gemeinsamen Foto zu fragen. Nach Hause habe ich dann geschlagene zwei Stunden im Bus zugebracht, obwohl es nur 17km Fußweg gewesen wären. Aber der Verkehr in Teheran ist halt verrückt.

Am Dienstag (17.2) habe ich mich Alexander, Anton (auch ein Russe) und Anahit angeschlossen, die im Armenischen Viertel mit einer armenischen Freundin Anahits verabredet waren. Diese führte uns ein bisschen umher, wobei nur russisch oder armenisch geredet wurde.
Am Donnerstag (19.2) beschloss ich mit Roman und Zhihui zu einem in der Schule beworbenen Musikfestival zu gehen. Es hieß Fajr (Polarlicht) Music Festival und fand im Zentrum statt. Leider fühlte Roman sich nicht so wohl, sodass ich mich erst mit Zhihui alleine traf. Das Konzert, wir wussten nicht, was es genau war, sollte um 20.30 Uhr losgehen und vorher gingen wir noch Kebab essen. Es war sehr lustig und durch unser Lachen zogen wir die Aufmerksamkeit der anderen Gäste auf uns, die eigentlich eher stur aßen.
Dann machten wir uns auf den Weg zu Vahdat Hall und versuchten vergeblich irgendwie herauszufinden ob und wie wir noch Karten erwerben könnten. Das einzige, was wir herausfanden, war, dass wohl zwei Veranstaltungen parallel laufen würden: Eine amerikanische Jazzband und ein Klassikkonzert eines iranischen Orchesters. Wir wollten uns Klassik anhören.
Kurz nach acht trafen wir dann jedoch Mitschüler und uns wurde mitgeteilt, dass wir keinen Eintritt zahlen brauchen. Allerdings gingen wir dann ins das Jazzkonzert der Band Animation. Es war seit 1977 die erste, die wieder im Iran auftreten durfte, natürlich unter den streng wachenden Augen von Khomeini und Khamenei. Allerdings traf deren Art von Jazz nicht meinen Geschmack und Zhihui verabschiedete sich schon nach einer halben Stunde. Wie mir ging es aber vielen, wobei die meisten dann einfach mit ihrem Smartphone herumspielten oder sich unterhielten, was ich persönlich ziemlich respektlos den Künstlern gegenüber fand.
Diese bekundeten unter Applaus die natürlich höchst streitbare Aussage, dass der Iran das beste Land der Welt sei. Als der Frontmann erklärte, sie hätten sicherlich ziemlich oft viel zu viel bezahlt, lachten nur wir Ausländer. Aber dass die Möglichkeit des Auftritts im Iran die Band zutiefst berührte, war deutlich zu merken.
Als das Konzert dann vorbei war und wir noch draußen vor der Halle den Abend ein wenig analysierten wurden wir nach 10 Minuten recht forsch gebeten, doch bitte das Gelände so langsam schnell zu verlassen. Unsere Suche nach einem Taxi mündete dann fast in einer Schlägerei, da sich ein aufdringlicher Taxifahrer wohl durch unsere Entscheidung benachteiligt fühlte und unserem dann ins Gesicht watschte.
Am Freitag (20.2) lernte ich für einen kleinen Test am Folgetag und lief während einer Auszeit nur einmal zur Gondelstation.

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Woche 3 – Part 4/4 – Tochal II


Tag 23, 12.2, Donnerstag

Es war ein Faulenzertag und es hat fast unentwegt geregnet. Ich war einmal draußen; zum Brot holen.

Tag 24, 13.2, Freitag

Auch am letzten Wochenendtag hatte ich keinen wirklichen Plan, was ich machen sollte. Also stand ich um 4.45 Uhr auf und lief wieder auf den Tochal. Aber diesmal über Darband und nicht von Velenjak aus die Gondelstrecke entlang.
Diese Strecke ist steiler, also auf der Karte viel kürzer. Dadurch ist das Gipfelstürmen mit mehr Klettern verbunden und vielleicht auch anspruchsvoller. Dennoch ist der Weg schöner als die erste Route. Des Weiteren ist es schon ein erhabenes Gefühl durch den Schnee und bei starkem Wind (angeblich 80km/h) immer höher zu stapfen, die Stadt unter einem schrumpfen zu sehen und auch umgebende Berggipfel unter sich zu lassen. So könnten sich auch Norgay und Hillary beim Besteigen des Everest gefühlt haben, kommt einem in den Sinn. Dass einem hinter jeder Bergkuppe jedoch ein weiterer Anstieg und eine neue Kuppe erwartet, könnte hingegen auch ein bisschen deprimierend sein.
Auf dem Gipfel beträgt der Luftdruck übrigens nur noch 60%.
Pausen habe ich aber nicht gemacht. Auf dem Gipfel war ich bereits um 12 Uhr. Mit fünf Stunden ist das eine Stunde eher, als bei der ersten Besteigung, wenn man die Pause ignoriert; wobei ich um 5.35 Uhr vom Wohnheim los bin und erst um 6.55 Uhr von Darband habe losstiefeln können. Die Strecke bis dahin über den Tajrish musste ich laufen, da keine Busse und Taxen fuhren.
Kurz aufgehalten wurde ich von Mohammad, der unbedingt mit mir reden wollte, aber in schlechter physischen Zustand war, sodass ich immer wieder warten musste. Doch irgendwann ließ ich ihn dann hinter mir. Roman war übrigens bei einem Kumpel, sodass er nicht mitkommen konnte.
Auf dem Gipfel stoppte ich nur, ein wenige Fotos zu machen und lief dann zur Gondelstation. Das gar nicht mal so ein einfaches Unterfangen, denn der Wind war wirklich extrem stark und ließ mich schnell auskühlen. Die Fahrt mit der Gondel war angenehm, obwohl die Kabine erstaunlich eng war. Doch ich wollte mir den steilen Abstieg nicht antun und die Fahrt bis unten kostete auch nur 6,50€. Dort habe ich dann erst einmal meine Füße in der warmen Sonne aufgewärmt, bevor ich dann zurück zum Wohnheim gelaufen bin.
Am Nachmittag habe ich dann mit meinem Zimmerkollegen Arne und zwei weiteren Deutschen (Thomas und Pascal) Fußball gespielt und natürlich kamen dann nach einiger Zeit auch iranische Studenten, sodass es eine lustige Bolzrunde wurde.

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Woche 3 – Revolutionstag – Teil 3/4


Tag 22, 11.2, Mittwoch

Der 11. Februar ist der Jahrestag der Islamischen Revolution 1979. Im 7 Uhr aufgestanden und mit Anahit und Mirela, einer anderen deutschen Studentin nach Enghelab gefahren, um der Feier bzw. dem Umzug beizuwohnen. Die Straßen in Velenjak und Tajrish waren wie leer gefegt. Auch die Metro war bis zum Umstieg vergleichsweise leer. Doch als wir von der roten (1) in die gelbe Linie (4) umstiegen, bin ich nicht in die erste Metro hineingekommen. Es war voller als zum Berufsverkehr in Moskau. Wer in den 2 Stationen vor Enghelab aussteigen wollte hatte schlechte Karten und sich das falsche Datum bzw. die falsche Uhrzeit ausgesucht. Es war ziemlich unmöglich. In Enghelab warteten wir dann noch ziemlich lange auf Jenja und ein Freund der Deutschen kam noch. Während wir am Ausgang warteten, wurden schon die ersten Bilder mit uns gemacht. Als Jenja und Anahit dann kamen und wir uns dem Marsch anschlossen, bekam der Holländer Schiss und ging wieder nach Hause.
Letztes Jahr wurden wohl drei Studenten vom Sprachinstitut festgenommen und fast alle sagten, wir sollten vorsichtig sein. Also verzichtete ich auf meine gelbe Jacke. Aber was die Veranstaltung dann nun?
Ich würde das ganze als Demonstration mit Volksfestcharakter beschreiben. Der zentrale Festplatz war anscheinend der Platz um den Azaditurm. Dort war ich erst zum Schluss, als alles nach drei Stunden vorbei war. Dort sollen aber die Studenten letztes Jahr gewesen sein. Von der östlichen Straße (Azadi Allee) liefen die Menschen zum Platz. Also wie, als wenn von Unter den Linden die Menschen zum Brandenburger Tor bzw. dem Pariser Platz marschieren.
Am Straßenrand waren Stände aufgestellt. Dort gab es Informationsmaterial, kostenloses Essen, Trinken, Chöre sangen, Musik wurde gespielt oder Mullahs/Geistliche hielten Reden. Es wurden verschiedene Plakate vergeben. Neben den Todesproklamationen auch Sprüche wie „Wir werden ewig widerstehen“, „Wir bleiben standhaft bis zum Ende“, „Freiheit, Unabhängigkeit – Islamische Republik“, „Tod oder Khomeini – mit meinem Blut geschrieben“, „Ich bin die Revolution“, „Ich liebe Mohammad. Ich hasse Terrorismus, ich verurteile die Verunglimpfung der heiligen Propheten“ sowie Bilder von Khamenei und Khomeini und natürlich wurde oft die iranische Flagge geschwenkt. Da es regnerisch war, war die Funktion der Plakate natürlich vielmals der eines Regenschutzes. Zwischendurch wurde dann von der Masse „Marg bar Amerika/Israel“ skandiert, öfters aber „Allah u akbar“ oder etwas in Verbindung mit Khomeini gerufen; doch selbst diese eher selten. Die Menschen waren nicht wirklich konservativer als sonst gekleidet, selbst bei vielen Frauen waren noch die Haare zu erkennen. Es liefen viele Familien mit – generell es war ein bizarres Bild. Vor einigen Ständen, die Essen oder Getränke verteilten kam es nicht selten zu Tumulten. Ganz so, als ob das ach so tolle Gespann Khomeini/Khamenei die Bevölkerung nicht ernähren können – wie Kim Jong Un, selbst dazu kommt vielleicht noch etwas…
Ein paar Male kamen Fotografen und vor allem viele Jugendliche, um uns zu fotografieren.
Und was soll man davon halten? Ich denke, diese Veranstaltung hat mehrere Aspekte. Zum einen soll mit dem öffentlichen Aufrechterhalten des Feindbildes USA/Israel(/der Westen) die Macht der Geistlichen gesichert werden. Sie rufen zum Widerstand, zum Widerstehen auf, appellieren an das Durchhaltevermögen des Volkes, nicht den Versuchungen nachzugeben. Sie werden (und nur sie sind dazu in der Lage) die Bevölkerung sicher und zu deren Zufriedenheit durch die schweren Zeiten zu führen.
Den Versuchungen wurde aber nachgegeben: Apple-Produkte, Microsoft, Google, Nestle, Danone, Coca-Cola und Pepsi, BMW, Mercedes und Porsche haben längst die Herzen der meisten Iraner erobert. Für diese, wenn sie denn teilnehmen, ist die Revolutionsveranstaltung einfach nur eine Möglichkeit, mal ein wenig „die Sau“ rauszulassen. Die Sprüche und Plakate sind dann Nebensache. Hier kommt meiner Meinung nach Aspekt zwei ins Spiel: Es ist wie die Fanmeile in Berlin. Da wird der Gegner teilweise auch auf das übelste beschimpft; und das sogar ohne politischen Hintergrund:

„[Land] ist scheiße, [Land] ist Dreck; eine kleine Bombe und [Land] ist weg.“ und es gibt sicherlich noch mehr Sprüche diesen Niveaus

Diese Schmähgesänge singt auch die Mehrheit mit, aber keiner würde den Inhalt je wahr werden lassen. Es geht um das Zusammenhaltsgefühl, Sticheleien, wenn man überlegen ist, um die gigantische Party, an der natürlich auch der Gegner gerne eingebunden wird. Abgesehen von ein paar Idioten, die aus der Reihe tanzen, wird friedlich zusammen gefeiert (selbstverständlich, solange das eigene Team gewinnt, sonst steigt die Anzahl der Idioten).
Nur vereinzelt wurden wir komisch angeschaut, ansonsten entweder mit Gleichmut behandelt oder freundlich angesprochen. Sehr schön fand ich die Situation, als ein Mann mich fröhlich im Iran Willkommen hieß, die Veranstaltung zeigt jedenfalls nicht den normalen Iran und Kritiker finden genügend Gelegenheit den Staat und sein Volk als extremistisch darzustellen.
Dennoch möchte ich betonen, dass ich es nicht gutheißen kann, wenn der Tod Amerikas oder Israels propagiert wird. Auch wenn es sich laut mehreren Aussagen nicht an die Bevölkerung richtet. Ich bin auch nicht mit dem Großteil der Außenpolitik beider Länder einverstanden. Als Andenken konnte ich so einem Plakat nicht widerstehen.

Zum Schluss mit Taxi zurückgefahren, das es geregnet hat und ich zufällig Anahit getroffen habe. Es hat nur 13000 Rial (32 Cent) gekostet und mein Bild vom teuren Taxifahren vielleicht nachhaltig verändert.


Das wollen die Skeptiker hören (ich weiß nicht, was der Typ erzählt, aber es hört sich bedrohlich und nach religiösem Fanatismus an):